"Baustelle" Visitation
Baustellen im Straßenverkehr sind notwendig, es geht im Anschluss schneller, besser, bequemer.
Allerdings sind sie in der Regel unbeliebt: sie erfordern meist Umleitungen und damit Umwege , ab und an produzieren sie Staus.
Dieses Los notwendig, aber unbeliebt zu sein, scheint das älteste Qualitätsinstrument der Kirche, die Visitation, mit der Baustelle zu teilen - so der vordergründige Eindruck.
Blickt man sich allerdings in den Kirchenleitungen wie in den Landeskirchen um, kann man eifrige bis begeisterte Arbeitsanstrengungen „auf der Baustelle“ Visitation mit allen besagten „Nebeneffekten“, aber auch überzeugenden Perspektiven ausmachen.
Solche Anstrengungen bezogen auf die Visitation des Gottesdienstes mit den entsprechenden Gesetzen wie Materialien nimmt das Projekt des Qualitätszentrums in den Blick.
„Voneinander lernen“ – Visitation als Lernkreis
Die Landeskirchen stellen, zum Teil öffentlich zugänglich, aufschlussreiche Texte wie praktikable Elemente der Visitationsgesetze und- ordnungen zur Verfügung. (so z.B. Württemberg, Lippe, Baden, Sachsen und Hessen-Nassau, auch speziell zu Gottesdienst und Visitation)
Unterschiedliche Visitationsmaterialien wie Visitationsverfahren der verschiedenen Kirchen können zur Auseinandersetzung mit der eigenen Theorie und Praxis anregen.
Hier und dort haben sie bereits zu weiterem Nachdenken und zu konzeptionellen Fortschreibungen geführt.
Das Qualitätszentrum will den Erfahrungsaustausch zwischen interessierten Landeskirchen und ihren jeweiligen Verantwortlichen für Visitation anregen und es ihnen ermöglichen, weiter voneinander zu lernen. Hierzu ist eine Konsultation im Herbst 2012 geplant.
Dies ist die eine spannende Spur, die das Projekt verfolgt.
Auf der zweiten Spur will die Projektarbeit die neuen Bemühungen um die Visitation auf den Gottesdienst und seine Qualität fokussieren und den Charakter der Gottesdienstvisitation als Besuch, von dem alle etwas haben, stärken.
Dazu zählt u.a. die Maßgabe, das Visitationsgeschehen um den Gottesdienst deutlicher als Beziehungs- und Kommunikationsgeschehen in den Blick zu nehmen und entsprechende Wahrnehmungshilfen, Erfahrungen und Ergebnisse an Visitationsbeteiligte weiter zu reichen.
„Erfahrungen weitergeben“ – Visitation konkret
Erstmals in der EKD wurden zwei Kirchenkreise in der Lippischen Landeskirche bei einer Gottesdienstvisitation vom Zentrum für Qualitätsentwicklung begleitet.
Dabei wurde dem Verhältnis von theologischen Kategorien im Verbund mit Kriterien des QM , den vor Ort erarbeiteten Wahrnehmungs- und Beobachtungshilfen und den vielfältigen Rückmeldungen der Kirchenvorstände, Visitationsteams und der KollegenInnen besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Der Gottesdienst entpuppte sich hier als „Baustelle“, die Freude macht und Kreativität freisetzt.
Die Visitation als echter Besuch wurde zum Motor kleiner oder größerer Veränderungen, gelegentlich auch zum Gefährt zur Erkundung der heimatlichen Gottesdienstlandschaft.
Schließlich haben beide Querschnittsvisitationen neue Impulse gegeben – den besuchten KollegenInnen und Gemeinden, den Visitationsteams wie den Klassenvorständen und dem/der jeweiligen Superintendenten/Superintendentin.
