Kapelle

Bild: Michaeliskloster/ Jonas Kretschmann

Spaziergang am Ostermorgen

Nachricht Ostermorgen, 05. April 2020
Ostern
Bild: Jens Schulze

Ein geistlicher Spaziergang für eine*n allein oder gemeinsam mit den Engsten aus der Hausgemeinschaft zu Sonnenaufgang am Ostermorgen

(oder einem späteren Zeitpunkt an den Ostertagen)

Einstimmung mit Blick auf die aufgehende Sonne

– am Fenster, auf dem Balkon, auf der Terrasse, im Garten …;
dabei Kerze (Windlicht) und Streichhölzer o.ä.

Ich atme ein. Ich atme aus. Ich schaue in den Himmel.
Stille.

Ich sehe, wie die Welt erwacht.
Ich sehe, wie das Licht aufbricht.
Stille.

Aus dem Dunkel erwacht das Licht.
Erste Strahlen brechen durch.
Und leise Töne dringen an mein Ohr.
Stille.

Christus ist das Licht der Welt.
Gott sei ewig Dank.
Entzünden einer Kerze.
Stille.

Christus ist das Licht der Welt.
Gott sei ewig Dank.
Stille.

Ich atme ein. Ich atme aus. Ich schaue in den Himmel.
Licht erwacht.
Licht ist da.
Licht vom Lichte.
Ewiges Licht.
Christus ist auferstanden.
Er ist wahrhaftig auferstanden.

(leise sprechen, wiederholen, dabei vielleicht lauter werden:)
Christus ist auferstanden.
Er ist wahrhaftig auferstanden.

Glocken läuten.
Ich sehe das Licht.
Es ist Ostern.
Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.
Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

ODER BEGINN, FALLS DU ZU EINEM ANDEREN ZEITPUNKT AN DEN OSTERTAGEN GEHST:

Ich atme ein. Ich atme aus. Ich schaue in den Himmel.
Licht erwacht.
Licht ist da.
Licht vom Lichte.
Ewiges Licht.

Christus ist auferstanden.
Er ist wahrhaftig auferstanden.

Ich sehe das Licht.
Es ist Ostern.
Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.
Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Liedtext „Christ ist erstanden“ EG 99

Christ ist erstanden von der Marter alle;
des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen;
seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ.
Kyrieleis.

Halleluja, Halleluja, Halleluja!
Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

bei einem Spaziergang: Du gehst weiter und beim nächsten Halt:

Gebet
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Es ist Ostern!
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Und ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre auf unser Gebet.
Amen

Lied „Verbunden“ (Josi und Til von Dombois)

Wir sind verbunden
auch wenn es niemand sieht
Wir sind verbunden
ganz gleich was auch geschieht
Das Band verleiht uns Kraft
Durchquert das tiefste Meer
Reicht bis in die Ewigkeit
Verborgen hält es uns
Durchdringt als Licht die Nacht
Mit Hoffnung in die Dunkelheit

Wir sind verbunden
auch wenn es niemand sieht
Wir sind verbunden
ganz gleich was auch geschieht
Das Band trägt uns davon
Durch Traurigkeit und Angst
Hilft es mit Geborgenheit
Es ist nicht Raum, nicht Zeit
Kein Ende, kein Beginn
Vielleicht will es, dass du weißt

Wir sind verbunden
auch wenn es niemand sieht
Wir sind verbunden
ganz gleich was auch geschieht

(Du gehst spazieren in Deinem Tempo und Deinen Weg und machst zu den unterschiedlichen folgenden Texten und Liedern an verschiedenen Orten Halt)

Osterevangelium: Mk 16,1-8

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.
2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.
3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?
4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.
6 Er aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

(jede*r liest den Text erneut leise und „fühlt“ in den Text : Wähle eine Stelle im Text. Was siehst du? Was hörst du? Was riechst du? Was ertastest du? Erzähle den anderen davon. Wenn du allein bist: Schreibe es auf.)

Beim weiteren Spazieren kannst Du auch einen Stein einsammeln, ihn in der Hand wiegen und befühlen.

Liedtext „Wir stehen im Morgen“ Freitöne 95

Wir stehen im Morgen. Aus Gott ein Schein durchblitzt alle Gräber. Es bricht ein Stein. Erstanden ist Christus. Ein Tanz setzt ein.
Halleluja – es bricht ein Stein. Halleluja - ein Tanz setzt ein.

Ein Tanz, der um Erde und Sonne kreist: Der Reigen des Christus, voll Kraft und Geist.
Ein Tanz, der uns alle dem Tod entreißt.
Halleluja – es bricht ein Stein. Halleluja - ein Tanz setzt ein.

An Ostern, o Tod, war das Weltgericht. Wir lachen dir frei in dein Angstgesicht.
Wir lachen dich an – du bedrohst uns nicht.
Halleluja – es bricht ein Stein. Halleluja - ein Tanz setzt ein.

Verkündigungsimpuls

Der Himmel steht offen. –
Ich sehe Horizontlinien.
Die Erde ist eng, der Himmel ist nah.
Die Nachbarin pfeift. Der Vogel singt. Wir berühren uns ohne uns zu berühren.
Wir treffen uns am Horizont der Sinne.
Ich fange den Himmel ein, mit meinem Blick - weite Weite.
Und der Himmel spiegelt sich in gläsernen Flächen.
Ist aber nicht zu fangen, nicht einzuengen, will heraus und kann nur grenzenlos sein.
Über uns der grenzenlose Himmel – wie eng es auch ist.
Über uns der grenzenlose Himmel.

Der Himmel steht offen. –
Es ist Ostern.
Weihnachten hing der Himmel voll Engelsgesang gegen die Angst.
Heute ist das Grab hell und da erklingen die gleichen Worte - die Worte des Engels gegen die Angst. Sie flüstern auch mir ins Ohr: „Fürchte Dich nicht.“

„Fürchte Dich nicht.“ In aller Sorge um die Lieben.
„Fürchte Dich nicht.“ Bei allen Bildern, die ins Wohnzimmer dringen über die Medien.
„Fürchte Dich nicht.“ Du bist nicht allein. Du bist nicht allein. Du bist nicht allein.
„Fürchte Dich nicht.“ Gott ist da. Er sorgt sich mit. Er weint über die Toten. Er hält Deine Hand. Er führt ins Licht, immer wieder ins Licht.

„Fürchtet Euch nicht!“ Hallt es im Grab. Es hallt in Maria Magdalena und in Maria, der Mutter des Jakobus, und in Salome nach. Zitternd zuerst vor Staunen und erster ungläubiger Freude, dann immer fester. Kann es wirklich wahr sein? Kann es sein? Jesus – er ist auferstanden!

„Fürchte Dich nicht.“ Hallt in meinem Herz nach. Hallt von den Wänden der Grabeskammer. Hallt in die Küchen und Stuben und Videokonferenzen und Altenheime und Intensivstationen.
„Fürchte Dich nicht.“
Der Himmel steht offen.
Gott hat den Weg frei gemacht.
Wir stehen im Morgen
Aus Gott ein Schein durchblitzt alle Gräber.
Es bricht ein Stein.

Der Himmel steht offen.
Über mir Wolken wie Engelschwingen.
Da sind Engel. Sichtbar und unsichtbar.
Da sind Spuren des „Fürchte Dich nicht“, ewig im Himmel und auf meiner Herzhaut.
Es sind blaue Worte und weich wie Wolke.
Engelworte, blau und weich wie weiche kleine Pelzchen - und es bricht der Stein.

„Fürchte Dich nicht“, gesprochen für Dich.
Das Grab ist auf und der Himmel steht offen.
Nie mehr anders seit dem ersten Ostern.
Und ich mag, dass wir nur ein Wort dafür haben: Sky und Heaven sind eins.
Und ich schau nach oben.
Fühle mich verbunden mit dem, was war und was ist, mit Gott.
und Wolken wie Engelschwingen.
Amen

Lied „Himmel-Land“ (Bettina Gilbert & Elisabeth Rabe-Winnen)

Himmel grüßt
blau weiß grau
Himmel grüßt
ich steh und schau
Himmel grüßt
ahnt schon Abendröte
hell noch
und am Horizont ein Dämmern
Nehmt mich mit, Wolken, tragt mich, Flügel, ins Himmel-Land

Himmel grüßt
Abend bricht
Himmel grüßt
es fröstelt mich
Himmel grüßt
sternenlos
kein Schatten
Schwärze bis zum Horizont
wo bist du
Nehmt mich mit, Wolken, tragt mich, Flügel, ins Himmel-Land

Himmel grüßt
Morgen bricht
Himmel grüßt
ich seh das Licht
Himmel grüßt
Regenbogentupfen
Wolken bis zum Horizont
wie Flügel
Nehmt mich mit, Wolken,
tragt mich, Flügel, ein Leben lang.

Etwas tun

Erdung und Verbindung mit dem Himmel
Wir stehen unter Bäumen.
Unter Bäumen kann ich die Seele baumeln lassen.
Er ist tief verwurzelt.
Er streckt sich in den Himmel.

Wo sind meine Wurzeln?
Was gibt mir Halt?
Und: Wohin strecke ich mich?

Fürbitten

Gott.
Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.

Gott, an diesem Ostermorgen bitten wir Dich:
lass alle Menschen das Licht sehen!
Lass uns selbst Licht sein!
Erleuchte und bewege uns!

Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.
Heute.
Stille

Wir denken an alle, die wir lieben.
Wie gerne würden wir die Ostertage zusammen verbringen.
Wir denken an sie.
Was tun sie gerade.
Stille.

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
Stille.

Wir denken an alle Kranken.
Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.
Stille.

Wir denken an alle, die helfen.
Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.
Stille.

Was uns heute noch wichtig ist, bringen wir jetzt in der Stille vor dich.
Stille

Gott.
Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Leben aus Deinem Licht.

Erleuchte und bewege uns
Und hilf uns allen, dass wir mit dem Licht
der Osterbotschaft in diesen Tag gehen.

Wir beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Vater Unser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Liedtext „Wir wollen alle fröhlich sein“ EG 100

Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit;
denn unser Heil hat Gott bereit'. Halleluja! Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist.
Halleluja! Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewgen Tod.
Halleluja! Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis,
der uns erkauft das Paradeis. Halleluja! Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Sendung
Wir stehen im Morgen.
Der Himmel steht offen.
Gott hat den Weg frei gemacht.
Sein Licht durchblitzt alle Gräber.
Christus ist auferstanden.
Er ist wahrhaftig auferstanden.
Ich atme ein. Ich atme aus.
Ich erde mich und schaue in den Himmel.
„Fürchte Dich nicht“ steht dort geschrieben.
Ich bin umgeben von Gottes Kraft, die alles schafft.

Segen

Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

Oder

Einatmen. Ausatmen. Spüren, dass Du da bist. Spüren, dass andere da sind. Genau jetzt. Genau so. Verbunden. Miteinander. Mit Gott. Im Glauben. Einatmen. Ausatmen. Und leise sprechen „Gott spricht: Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein.“  (oder ein anderes Segenswort oder ein anderes Wort, das gerade Kraft gibt). Mehrmals wiederholen und dabei vielleicht lauter werden. Stille. Einatmen. Ausatmen.

Kerze über den Tag brennen lassen

Im Anschluss zuhause nach dem Spaziergang: KAFFEE MIT GOTT
Stell Dir vor: der nächste Kaffee, den Du trinkst, ist ein Kaffee mit Gott...
Wie sieht Dein „Kaffee mit Gott“ heute an Ostern aus?
To go - oder mit Ruhe und mit Genuss?
Mit Milch und/oder Zucker?
Was gehört zu Deiner Zeit mit Gott?

Etwas tun
Vielleicht:
Kannst Du den Himmel sehen?
Da, wo Du gerade bist?
Wie sieht er aus?
Schau in den Himmel.

Oder:
Schreibe auf – wo findet Himmel statt? Für Dich.
Vielleicht schreibst Du jemanden, weil er/sie ein Stück Himmel auf Erden für Dich ist.
Oder Du schreibst von Deiner Sehnsucht nach Himmel.

Oder:
#ostersteine bemalen: https://www.kirche-hamburg.de/nachrichten/details/ostersteine-zeichen-der-hoffnung.html

Fritz Baltruweit & Elisabeth Rabe-Winnen