Foto: Jens Schulze https://www.jens-schulze.com/

Wie kann Chorprobe in Coronazeiten gelingen?

Nachricht Hildesheim, 04. Juni 2020
  • Laptop
  • Funktastatur
  • Funkmaus
  • LAN-Kabel und externe Kamera (beides ist nicht zwingend erforderlich; eine gute WLAN-Verbindung und die integrierte Laptop-Kamera tun es auch)
  • Barhocker auf dem der Laptop steht
  • kleine Tische für Unterrichtsmaterial
  • Notenständer, den ich besonders für den Unterricht mit den Jüngeren nutze, damit ich bei Liedern, die ich nicht auswendig beherrsche, beim Vorsingen in Richtung Kamera schauen kann
  • Flügel
  • höhenverstellbarer Hocker

Als komplett unerfahrene auf diesem Gebiet habe ich bei Google eingegeben „Chorproben per Zoom, wie geht das?“. Mit den im Netz zur Verfügung stehenden Tools habe ich mir selbst beigebracht, wie ich Zoom für Chorproben anwenden kann, wie ich Einladungen an meine Chorgruppen versenden kann und während der Proben auf meinem Bildschirm für die Teilnehmenden Dateien mit z.B. Blattsingübungen darstellen kann. Alle Anwendungen sind einfach und auch für Laien gut durchführbar, man muss keinesfalls besondere IT-Kenntnisse haben. Ich habe mich dafür entschieden, bei Zoom für einen monatlichen Beitrag (16,95 €) das Recht zu erwerben, Sitzungen mit einer Länge von über 40 Minuten durchzuführen. Sitzungen bis zu 40 Minuten sind kostenlos. Für die Sänger*innen ist die Teilnahme an Zoomproben in jedem Fall kostenlos. Die Teilnehmenden müssen sich auf ihrem Gerät eine App herunterladen, was auch unkompliziert möglich ist. Sie können sich dann mit dem Link aus meinem Einladungsschreiben an den Chorproben beteiligen. Hilfreich ist ein Zoomleitfaden für Chorsänger*innen von Franny Fuchs (in die Suchmaschine eingeben: franny fuchs zoomleitfaden für chorsänger), den habe ich meinen Sänger*innen und Eltern geschickt.

Am Anfang der Proben sollte man sich ca. 10 Minuten Zeit nehmen, bis alle technischen Fragen geklärt sind. Alle Teilnehmenden an Chorproben müssen sich stumm schalten, wegen der Unmöglichkeit einer

synchronen Übertragung. Per Bedienung der Leertaste kann sich jede(r) Sänger*in für alle hörbar machen. Die Sänger*innen hören beim Chorsingen also nur sich selbst und höchstens noch mich und/oder mein Klavier. Daran müssen sich alle erst gewöhnen.  

Viele Unterrichtsmethoden, die in meinen „normalen“ Chorproben stattfinden, lassen sich auch per Videoschalte umsetzen:

  • Stimmbildung und Lied-Erarbeitung durch Vor- und Nachsingen
  • Lerneinheiten „Solmisation“ und „rhythmische Solmisation“
  • Einzelne Sänger*innen tragen allein etwas vor (ab der 2. Klasse fordere ich die Teilnehmenden dazu auf, die Jüngeren dürfen natürlich auch, wenn sie möchten)
  • Kettensingen: Ein Lied wird abschnittsweise von Einzelnen gesungen (habe ich bisher erfolgreich mit Sängerinnen ab der 6. Klasse durchgeführt)
  • Kanon singen ab 6. Klasse

Die Kameraeinstellung war beim Unterricht mit den 3 + 4-Jährigen so eingestellt, dass meine Patschbewegungen auf den Knien gut zu sehen waren (höhenverstellbarer Hocker).

Beim Vor- und Nachsingen habe ich das Nachsingen mit dem Klavier einstimmig begleitet. Nach Aussage der Sänger*innen ist das angenehm.

Ich habe Chorgruppen mit Sänger*innen zwischen 3 und 15 Jahren erfolgreich unterrichtet.  Meine Singschule ist vierzügig, mit Gruppenstärken zwischen 12 und 17 Teilnehmenden. Bislang habe ich in jeder Gruppe jeweils zwei Zoomproben durchgeführt, die größte Teilnehmerzahl war bislang 11.

Wir sind alle total froh über die digitalen Treffen, es ist so schön, sich wieder zu sehen und zu hören!

An diese Form des Chorunterrichts müssen sich alle erst gewöhnen, sowohl an die Bedienung der Technik, als auch an den etwas anderen Unterrichtsverlauf. Aber wir sind uns einig, das macht Spaß, das wollen wir weiter durchziehen, bis wir uns wieder real treffen dürfen. Von den Eltern gibt es sehr viele positive Rückmeldung zum Angebot von Videoproben. Sie seien ein Zeichen von Normalität in diesen verrückten Zeiten und gäben den Kindern eine Struktur in ihren Alltag, der zurzeit so ungewohnt strukturlos verlaufen müsse. Ich bin gespannt, wie sich der Videounterricht für uns in den kommenden Wochen entwickeln wird, ob wir uns weiter damit wohl fühlen werden und wie ich meine Unterrichtsmethoden mehr und mehr auf diese neue Form anpassen kann!

Bei den jüngeren Kindern gibt es einzelne, die sich mit der digitalen Kommunikation nicht wohlfühlen und dann auch aussteigen. Noch weiß ich nicht, woran das genau liegt und wie ich Hemmnisse beseitigen könnte.

Bislang lehnt eine Mutter Zoom aus Datenschutzgründen kategorisch ab und kritisiert mich dafür, Zoom zu nutzen.

Zur Person

Ute Benhöfer ist  Kirchenmusikerin (B-Examen). Sie leitet als Freiberuflerin seit 10 Jahren die Singschule Christuskirche in Hildesheim, die Teilnehmer*innen zahlen einen monatlichen Beitrag. Regelmäßig wird sie als Referentin im Michaeliskloster Hildesheim für die Seminare im Bereich Kinderchor gebucht.