Berührende Formen offener Kirche(n) in Zeiten körperlichen Abstands
Foto: Joseph Pearson on Unsplash

Auch mit Abstand gut - Gottesdienste in beschränkten Zeiten

24. Mai 2020

Berührende Formen von Gottesdienst in Kirchen oder unter freiem Himmel

Die Seele anders zum Klingen bringen

Berührende Formen offener Kirche(n) in Zeiten körperlichen Abstands
Foto: Joseph Pearson on Unsplash

ALLGEMEINES

Wieder ankommen. Den Raum ent-decken. Nach einer Zeit, in der vielerorts die Kirchen ganz geschlossen waren, wird es an manchem Ort wieder gottesdienstliche Formen geben.
Sie orientieren sich, was Schutz und Sicherheit angeht, an den „Handlungsempfehlungen für Gottesdienste“, die bspw. hier nachzulesen / downzuloaden sind: https://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/pressemitteilungen/landeskirche/2020/2020_05_01

Wieder ankommen.
Das Wieder-im-Raum-Sein selbst kann in dem / den ersten Gottesdienst/en Thema sein.
Dazu braucht es eine kluge Moderation ohne lange Worte aber mit Ermutigung zum Feiern in ungewohnt anderer Art.
Vielleicht ist bei ersten Gottesdiensten angezeigt, zunächst wieder beieinander und im Raum anzukommen: Stille. Umschauen. Wieder in der (vermissten) Kirche sein. Wieder gemeinsam das Vater Unser sprechen.

Wieder da - der Platz im Raum.
Es gibt große Kirchen und kleine Kapellen. Feste Bänke oder Stühle. Mancherorts einen Eingang, mancherorts zwei mögliche Ein- und Ausgänge. Das erfordert jeweils Unterschiedliches.
Schön wäre: zu betonen, was möglich ist und welcher Platz im Raum bspw. nun der eigene ist. Wir müssen nicht betonen, was nicht möglich ist und welcher Platz im Raum nun nicht  möglich ist. Statt Absperrband können wir vielleicht Wege glitzernd tapen oder Menschen zu ihren Plätzen geleiten.

Wieder da - aber anders.
Abstand. Und dann ggf. auch noch die Maske. Es ist trotzdem schön, wieder in der eigenen Kirche zu sein. Und zugleich so sehr anders. Besonders im Hinblick auf die Gemeinschaft. Nähe und gemeinsamer Gesang sind z.B. nicht möglich.
In welcher Form aber ist Gemeinschaft möglich? Und wie kann das „Andere“ explizit Thema sein?
Vielleicht machen wir es so: Am Anfang nehmen auf einen Impuls hin alle einmal ihre Maske ab. Sie schauen sich um und an und ins Gesicht und „begrüßen“ und „sehen“ einander so (vgl. z.B. unter 1.2.2. Variante 2 des „Espresso-Gottesdienstes“).
Wie können andere Formen zueinander Gemeinschaft schaffen? Z.B. indem wir uns einander zuwenden bei wechselndem Sprechen oder Ausprobieren von Gesten im Vor- und Nachmachen. Da, wo es Stühle gibt, sollte man sie so stellen, dass möglichst viele Menschen einander sehen können.

Wieder da - im geliebt Gewohnten.
Vieles ist nicht möglich wie gewohnt. Vieles ist aber dennoch und weiter möglich. Und vielleicht bietet das auch Räume, Neues zu erproben und Geliebtes anders zu entdecken. Liturgische Elemente bspw. müssen nicht abgegeben werden, sondern können durch Variationen in Wort(en) und Tönen leben (vgl. z.B. unter 1.2.2. Variante 2 des „Espresso-Gottesdienstes“). Die Grundelemente der Liturgie können auch in kurzen Formen erkennbar bleiben, vertraute Stücke können vielleicht neu entdeckt und aufgenommen werden (bspw. so: „mein persönliches Kyrie“ –  stille Zeit - Abschluss mit der vertrauten Kyriemelodie; „mein persönliches Gloria“ –  stille Zeit - Abschluss mit der vertrauten Gloria-Melodie).
Gemeinsames Singen ist nicht möglich, aber instrumentale Musik (außer Bläser*innen), Solisten, Spielen mit Rhythmus und ggf. mit-summen, wenn eine*r solistisch singt.
Die Balance zwischen „Gewohntem“ und „Neuem“ sollte bei all dem jede*r Gestaltende*r im jeweiligen Kontext suchen.

Und wenn (zu) viele kommen:
Gottesdienst ist öffentlich. Keine*r sollte weggeschickt werden. Da, wo mehr erwartet werden - vielleicht ist es möglich, die Form zu wiederholen. Vielleicht kann für die, die warten, weil drinnen die Maximalzahl erreicht ist, draußen etwas sein: Musik, eine Aktion, etwas zum Lesen oder Pflücken.

Themen:
die Situation selbst trägt Themen in sich:
-unter freiem Himmel kann der Himmel Thema sein
-die Verbundenheit trotz Kontaktlosigkeit
-das Verhältnis zu Körper und Gesundheit in einer Zeit, wo jedes Husten beäugt wird
-das verhüllte Gesicht / Masken
-die Sorge um Menschen, die man liebt und nicht sieht / sehen kann
-….

Elisabeth Rabe-Winnen, Michaeliskloster Hildesheim

Was für ein Jahr dieses 2020! Ein Virus bringt die Welt in Gefahr und zwingt diverse Systeme im öffentlichen Leben herunterzufahren. Auch öffentliche Gottesdienste in Kirchräumen gehörten dazu. 

Mittlerweile dürfen wir auch dort wieder miteinander feiern und Gott loben. Viele kreative Ideen sind allerorten entstanden, dies mit gebührendem Abstand und dennoch "berührend" zu begehen.

Die Gefahr durch das Virus ist leider noch nicht gebannt. Wir gehen in allmählicher, aber unliebsamer Gewöhnung an die Situation auf die Herbst- und Kirchenjahresendzeit zu, danach auf Advent und Weihnachten. Aus Nachbarkirchen kommen Ideensammlungen und Anregungen für vielfältige Formen, die wir hier gerne mit verbreiten.

Dazu legen wir konkrete Entwürfe nach unserem Modell des "Gottesdienst zeitgleich". Viele kennen ihn bereits aus der Zeit des Shutdowns. Eine kurze Liturgie mit Gebeten und Predigtimpulsen, dazu passende Lieder, die wir jeweils zum Download oder zum Mitfeiern direkt vom PC oder Handy hier einstellen. Zur eigenen Verwendung oder zum Weitergeben an andere. Für den gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche oder Zuhause.