6. Sonntag nach Ostern

#gottesdienstzeitgleich für zu Hause, 24. Mai 2020

Exaudi

Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung

(lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
 
Ich schaue in den Himmel. Himmelfahrt vor ein paar Tagen.
Wie ist Jesus da hinaufgekommen?
Überlegen mit Kindern:
Vielleicht mit Flügeln? Nein. Er ist ja kein Engel.
Vielleicht hat Gott Engel geschickt, die ihn hochgeflogen haben?
Oder Gott hat Jesus an einem Seil hochgezogen?
Ein Fahrstuhl wäre auch denkbar.
Ich denke an einen Pater Noster.
"Aufgefahren in den Himmel.“
Und jetzt?
Stehen wir am Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, an diesem Sonntag der Abwesenheit. Rufen: „Gott - höre meine Stimme, wenn ich rufe!“ Exaudi. Wir beten und Er ist da. 
 
Die Glocken läuten und rufen uns zusammen - da wo wir sind. Versammelt.
An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Verbunden miteinander im Glauben.
 
Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Dich rühmt der Morgen. Leise verborgen singt die Schöpfung dir, Gott, ihr Lied.
Es will erklingen in allen Dingen und in allem, was heut geschieht.
Du füllst mit Freude der Erde Weite, gehst zum Geleite an unserer Seite,
bist wie der Tau um uns, wie Luft und Wind. Sonnen erfüllen dir deinen Willen. Sie gehn und preisen mit ihren Kreisen
der Weisheit Überfluss, aus dem sie sind.
 
Du hast das Leben allen gegeben, gib uns heute dein gutes Wort.
So geht dein Segen auf unsern Wegen, bis die Sonne sinkt, mit uns fort.
Du bist der Anfang, dem wir vertrauen, du bist das Ende, auf das wir schauen.
Was immer kommen mag, du bist uns nah.
Wir aber gehen, von dir gesehen, in dir geborgen durch Nacht und Morgen
Und singen ewig dir: Halleluja.
 
Mel.: Giovanni Giacomo Gastoldi 1592, Text: Jörg Zink 1982.
 
· Gebet (zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten)
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Und ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre auf unser Gebet.
Amen
· Evangelium: Johannes 16, 5-15
(lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
 
Einleitung zur Lesung:
Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist heute.
Christus nimmt Abschied von seinen Freunden.
Der Heilige Geist ist noch nicht da.
Was wird aus uns, fragen seine Freunde.
Wenn ich keine Kraft mehr habe, wenn ich unter Druck bin.
Jesus spricht mit seinen Freunden. Sie reden über die Zeit nach seinem Tod.
Wir hören, was Jesus sagt. Der Evangelist Johannes hat es aufgeschrieben.
 
Lesung:
5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? 6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.
Heilger Geist, du Tröster mein,
hoch vom Himmel uns erschein
mit dem Licht der Gnaden dein.
 
O du sel’ge Gnadensonn,
füll das Herz mit Freud und Wonn
aller, die dich rufen an.
 
Ohn dein Beistand, Hilf und Gunst
ist all unser Tun und Kunst
vor Gott ganz und gar umsonst.
 
Gib dem Glauben Kraft und Halt,
Heilger Geist, und komme bald
mit den Gaben siebenfalt.
 
Text: nach der Sequenz "Veni sancte Spiritus et emitte" um 1200, Martin Moller 1584.
 
  • Verkündigunsimpuls
Heut ist Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Christus ist in den Himmel gefahren. Gottes Geist noch nicht auf die Erde gekommen. Da stehen wir nun.
 
Und: Ist unsichtbar gleich verschwunden? Ist nun gerade eine Zeit der Abwesenheit?
 
Welche Wirklichkeit hat, was nicht zu sehen ist?
 
„Mama, hast Du mich lieb, auch wenn wir streiten?“ Fragt mich meine Tochter.
„Ja.“ Sage ich. „Ich habe Dich immer lieb.“
Liebe ist, ist wirklich. Und zugleich eigentlich unsichtbar.
 
Das, was wir nicht sehen können, ist trotzdem.
Ich schließe die Augen und sehe die vor mir, die ich liebe und die schon im Himmel-Land sind. Und manchmal höre ich noch die Stimme oder fühle fast eine Berührung. Wie es mal war.
 
Bedeutet unsichtbar verschwunden?
In dieser Zeit jetzt feierte und feiere ich Abendmahl digital. Und fühle: Wir sind verbunden, Reben am Weinstock und Wein in den Adern und Glauben im Herzen und beieinander.
 
Wir erleben etwas Universales. Da ist diese gleiche mehr unsichtbare als sichtbare Bedrohung. Und so einige Menschen hängen an Verschwörungserzählungen, um besser zu händeln, was da unsichtbar bedroht.
 
Was tröstet mich in der Sehnsucht nach Sichtbarem?
Wenn ich mich im Streit danach sehne, dass Liebe da ist - so handfest sichtbar, dass ich mir sicher sein kann. „Ich habe Dich immer lieb“, sage ich zu meiner Tochter. „Auch wenn wir streiten.“ Und sie schläft ein. Und mein Finger will Jesu Hände berühren, die Male des Gekreuzigten. Ich fühle darüber mit der Fingerspitze. Ist das wirklich, wirklich wahr? Dass der Tod nicht mehr ist?
 
Was ist in diesen Momenten zwischen Himmelfahrt und Pfingsten - wenn der Trost noch nicht im Herz angekommen ist? Wenn ich so sehr vermisse. Den, den ich nicht mehr umarmen kann. Den, der mich nicht mehr umarmen kann. Und ich versuche mich zu erinnern an seinen Geruch (Gerüche verschwinden schneller als Bilder) und ich will festhalten.
 
Was ist in dem Moment, in dem alles zerbricht und die Risse noch nicht gekittet sind? Wenn Zeit von Trauer ist. Wo Du sitzt und nichts kannst - auf ein Mal ist es so.
 
„GOTT, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!“
 
In Japan gibt es seit Jahrhunderten die Tradition, Keramikgeschirr, das einmal zerbrochen ist, nicht wegzuwerfen. Es wird repariert. Aufwändig und mit Goldlack. Die Risse werden nicht verheimlicht. Das Gold lässt sie schön sein.
 
Jesus ist in den Himmel gefahren. Hinter den Wolken schimmert es. Gold an den Wolkenrändern. Du weißt es. Ahnst die Erinnerung. Erinnerst die Erfahrung. Es war so. Es wird so sein. Darum ist es.
 
Du weißt, dass es da ist, golden hinter dem Himmel, den Du jetzt siehst. Du weißt, dass es da ist, hinter der Herzwand. Du weißt, dass Er da ist. Und Dich in den Arm nimmt. Auch wenn die Augen andere Wahrheiten sehen. Etwas in Dir ahnt diese Wirklichkeit.
Ich glaube, Gott ist da zwischen den Scherben. Heilt die zerbrochenen Herzen. Gibt Kraft. Und Gold für die Risse. Durch Umarmungen, Worte, Schweigen, Zeit. Durch das, was es gerade braucht.
 
Gott hört meine Stimme, wenn ich rufe. Sogar lautlos. Und er ist Licht und Heil und Kraft. All das gegen die Furcht und das Grauen.
 
Und ich spüre - da ist Liebe, handfest sichtbar. Leuchtet durch die Risse.
Erzähl davon! Glaubenserzählungen, die die Welt durchweben. Von Wirklichkeiten, die Dich tragen. Auch wenn Du sie nicht sehen kannst.
 
Und Gott küsst Dich. Sagt: „Ich hab Dich immer lieb.“
 
Amen
Erinnnere uns an den Anfang.
Am Anfang, als Leben begann, sprachst du zu uns: Ihr seid willkommen,
hast du an die Hand uns genommen.
Erinnere uns an den Anfang,
an Ursprung und Werden, Vergehen,
damit wir das Leben verstehen,
damit wir klug, damit wir klug, damit wir klug werden.
 
Erinnere uns an das Staunen.
Mit staunendem, offenen Blick hast du uns als Kinder gesegnet,
sind wir allem Neuen begegnet.
Erinnere uns an das Staunen,
an Ursprung …
 
Erinenre uns an Erfahrung.
Erfahrung, die uns heute prägt,
hat uns auch durch Trauer geleitet, hat unseren Glauben geweitet.
Erinnere uns an Erfahrung,
an Ursprung …
 
Erinnere uns an das Ende,
ans Ende, wenn du zu uns sprichst: Willkommen seid ihr. Euer Bangen
ist gänzlich in Liebe umfangen.
Erinnere uns an das Ende
an Ursprung …
 
Text: Ilona Schmitz-Jeromim 2014. Melodie: Ralf Grössler 2014
  • Etwas tun
Erinnere Dich - erinnere Dich an den Anfang. Was sind tiefe und erste Erinnerungen an Deinen Glauben, der Dich bis heute trägt? Vielleicht trägt Dich auch heute etwas Anderes als früher. Oder es hat sich verwandelt durch Jahre und Zeit.
Erinnere Dich. Schau in die Kerze. Vielleicht - schreib es auf. Vielleicht - erzähl es jemandem, neben Dir oder am Telefon.
(Liedruf: „Ich such dich, ich ruf dich, ich hör dich, ich spür dich. Du bist mir nah. Maranatha!“ Text: P. Vitus Seibel SJ, Melodie: Sr. Adelheid Wendelmann. Bearbeitung: Jochen Arnold)
 
Gott.
Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.
Heute.
Wir bitten Dich: Höre unsere Stimmen, wenn wir rufen. Sei uns gnädig und erhöre uns.
Wir vertrauen: Du bist da, Du bist uns nah.
 
(Liedruf)
 
Wir denken an alle, die wir lieben.
 
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
 
Wir denken an alle Kranken.

Wir denken an alle, die helfen.
 
Wir denken an alle, die trauern.
 
Wir sehnen uns nach Dir. Nach Trost. Nach Deiner Nähe.
 
(Liedruf)
 
O Gott - komm!
Maranatha!
 
Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Vertrauen: Du bist uns nah.
Hilf uns, zu leben in diesem Vertrauen.
Hilf uns, weiterzuerzählen: Du bist da!
 
(Liedruf)
 
Wir beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:
 
  • Vater Unser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Ich schaue in den Himmel. In einer Woche da regnet es vom Himmel rot und feurig, Gottes Geist kommt und tröstet. Jesus hat ihn verheißen.
Ich schaue in den Himmel. Pfingsten in einer Woche.
Feuerzungen. Röte. Gottes Geist.
Erschein, du Heilger Geist — Liebe Gottes selbst.
Leite mich, geleite mich, allezeit. 
 
Anhören oder mitsingen: „Erschein, du Heilger Geist“ - Freitöne 5, 1 – 3
Erschein du Heilger Geist, die Liebe Gottes selbst,
gibst Leben zum Geschenk, die große Gnade auch.
Und wenn es dunkel wird, wend‘ ich mich zu dir hin,
denn du wirst mich geleiten allezeit.
 
Dir gebe ich zum Lob die schönsten Melodien.
Du bist die Herrlichkeit, des Guten klarer Quell.
Die Hoffnung schenke mir, die Liebe, Glauben auch,
dass ich sie weitergebe allezeit.
 
Die Treue halt ich dir in Freude, Leid und Not.
Verkünden will ich stets, das du den Frieden bringst.
Dein Name sei gelobt vom Morgen bis zur Nacht.
Die Liebe bleibt bestehen allezeit.
 
Text: Arabisch, deutscher Text: Dieter Trautwein. Melodie: aus dem Libanon. 
 
  • Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen
 
Oder

Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Spüren, dass Du da bist. Spüren, dass andere da sind. Genau jetzt. Genau so. Verbunden. Miteinander. Mit Gott. Im Glauben. Einatmen. Ausatmen. Und leise sprechen „GOTT ist mein Licht und mein Heil. Da ist keine Furch und kein Grauen. GOTT ist mir nah.“  (oder ein anderes Segenswort oder ein anderes Wort, das gerade Kraft gibt). Mehrmals wiederholen und dabei vielleicht lauter werden. Stille. Einatmen. Ausatmen. Fenster schließen.
 
  • Kerze löschen 

Bettina Gilbert und Elisabeth Rabe-Winnen, Michaeliskloster Hildesheim