Andacht zur Jahreslosung

Nachricht Hildesheim, 07. Januar 2020

Als Jesus einmal zu seinen Jüngern zurückkam, fand er sie von einer großen Volksmenge umgeben. Darunter auch einige Schriftgelehrte. Die stritten mit den Jüngern. Die Menge sah ihn natürlich sofort und wurde ganz aufgeregt. »Worüber streitet ihr mit meinen Jüngern?«, will er wissen.

Da trat ein Mann aus der Menge hervor und erklärte: »Ich habe meinen Sohn zu dir gebracht. Er ist von einem bösen Geist besessen, der ihn stumm gemacht hat. Wenn der Geist ihn packt, wirft er ihn zu Boden. Er bekommt Schaum vor den Mund, knirscht mit den Zähnen und sein ganzer Körper verkrampft sich. Ich habe deine Jünger gebeten, dass sie den Geist austreiben – aber sie konnten es nicht.«

Da antwortete er ihnen: »Was seid ihr nur für eine ungläubige Generation?
Wie lange soll ich noch bei euch bleiben? Wie lange soll ich euch noch ertragen?  Bringt ihn zu mir!«

Und sie brachten den Jungen zu Jesus.
Sobald der Geist aber Jesus sah, schüttelte er den Jungen durch heftige Krämpfe. Der fiel zu Boden, wälzte sich hin und her und bekam Schaum vor den Mund. »Wie lange hat er das schon?«, fragte Jesus den Vater. »Von klein auf. «, antwortete er. »Der böse Geist hat ihn auch schon oft ins Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen.« Und er flehte Jesus förmlich an: »Wenn du kannst, dann hilf uns! Hab doch Erbarmen mit uns!«

Jesus sieht ihn an: »Was heißt hier: ›Wenn du kannst‹? Wer glaubt, kann alles.«
Da schrie der Vater des Jungen auf: »Ich glaube, hilf meinem Unglauben.«

Ausgerechnet dieser Satz ist nun die Jahreslosung für 2020. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Ein Schrei nach Hilfe. Aus lauter Verzweiflung. Oder weil schon eh alles egal ist. Was hat er schließlich zu verlieren der Mann?

Auf einem der Bilder zur Jahreslosung  ist eine Figur zu sehen. Mittig in zarten Strichen gezeichnet zwischen zwei marmorierten blauen Säulen oder zwei faserigen aufgerollten Bahnen. Die Arme nach links und rechts weit ausgestreckt, als müsse sie die Säulen von sich wegschieben oder um zu verhindern, dass die Bahnen sich ganz und gar über ihr ausrollen. Oder hält sie sich zwischen den Säulen fest? Oberkörper und Kopf sind flammend rot.

So ähnlich hängt hier wohl der Vater total in der Luft. Er kämpft um seinen Jungen.  Hochrot vor Verzweiflung und Anstrengung. Die Arme links und rechts von sich gestreckt – könnte ja sein – um sich und seinen Jungen vor der Meute zu schützen, dass ihm nur keiner zu nahekommt; oder um alles von sich zu weisen, was da gerade auf ihn einstürmt. Zugleich suchend und raumgreifend nach dem, der ihm helfen kann.

Wie der Blinde, Bartimäus, auf dem alten Bild der Kinderbibel von Kees de Kort, das ich nie vergessen werde. Hochrot flammend schreit auch er um Hilfe.
Hochrot flammend. Rot, das ist die Farbe des Heiligen Geistes.
Da ist also noch eine Energie in dieser Figur, in der Person, in dem Mann; da ist ein Funke und eine lodernde Kraft, selbst in dieser Verzweiflung. Ja, selbst im Unglauben ist immer noch Geist drin, der wieder neu zu Glaube, Liebe und Hoffnung entfachen kann.  
Diese Figur drückt das aus. Die Beine lodern golden – die Farbe Gottes – und unter ihr der Grund: Goldener Boden.

Mag sein, dass grad alles über dir hereinbricht. Mag sein, dass so vieles dir den Mut nimmt und dich zweifeln lässt. Aber solange da noch dieser Funke ist, der ich schreien und suchen lässt, bist du durchdrungen von Gott und getragen durch den festen Grund unseres Glaubens.

Auf einmal wird auch diese Figur dem Christus selbst immer ähnlicher. Mit weit ausgebreiten Armen, wie am Kreuz, aber auch kraftvoll ausgetreckt. Bereit, alles wegzuschieben, was über uns hereinzubrechen droht; bereit uns zu fassen und zu halten, wenn wir nach einem rettenden Arm suchen.

Es ist Christus, der sich unserer Verzweiflung in den Weg stellt und der mit seinen Möglichkeiten unsere Grenzen sprengt. Wer glaubt, kann das. Damit wir keine ungläubige Generation bleiben. Möge er unserem Unglauben helfen.

Amen

Marianne Gorka