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Volkstrauertag

Volkstrauertag
Foto: Jens Schulze

GOTTESDIENST ZEITGLEICH

Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung

lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor

„Und denn, denn stehste vor Gott, dem Vater, stehste, der allens jeweckt hat; und der fragt dir ins Jesichte: Willem Voigt, wat haste jemacht mit deine Leben? Und da muss ick sagen: Fußmatt, muss ick sagen, die hab ich jeflochten im Jefängnis. Und dann sind se all druff rumjetrampelt, muss ich sagen. Und zum Schluss hast jeröchelt und jewürcht um det bisken Luft...

Det sachst vor Gott, Mensch. Aber der sacht zu dir: Je weck, sacht er! Ausweisung, sacht er. Dafür hab ick dir det Leben nich jeschenkt! Sacht er. Wo iset? Wat haste mit jemacht?...“ (Schuster Willem Voigt aus: Der Hauptmann von Köpenick, von Carl Zuckmayer)

In biblischen Wort klingt das so:

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi (2 Kor 5,10).

Und das hören wir heute, am Volkstrauertag. Ein Tag der Erinnerung und Mahnung! Ein Tag, sich seiner Verantwortung klar zu werden.

Hier und anderswo Gedanken an die beiden Weltkriege, aber auch an Kriege und Kämpfe, die immer noch geführt werden. Gedanken auch an all das Leid, dass mit jedem Krieg verbunden ist.

Ein Tag, sich umso mehr, Gottes bleibender Gegenwart zu vergewissern, die uns Mut macht, nicht zu verdrängen oder zu verharmlosen. Die uns hilft, durch sein klares Wort, seine Weisungen und durch seinen Frieden stiftenden Heiligen Geist.

In ihm sind wir zusammen. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Einander in Gedanken und Gebet verbunden.

Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Sein Friede sei mit uns allen. Amen

Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder.

Du durchdringest alles; lass dien schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.

Mache mich einfältig, innig abgeschieden, sanft und still in deinem Frieden; mach mich reines Herzens, dass ich deine Klarheit schauen mag in Geist und Wahrheit, lass mein Herz überwärts wie ein´ Adler schweben und in dir nur leben.

Herr, komm in mir wohnen, lass mein´ Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden; komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh, lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.

Text: Gerhard Tersteegen (1727) 1729  Melodie: Joachim Neander 1680

Bibeltext des Tages: Matthäus 25, 31-46 (Übersetzung: Luther 2017)

(lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

Vom Weltgericht

31Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, 32und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 33und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

34Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35

Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

37Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? 39Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

41Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 42Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 43Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.

44Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

Verkündigungsimpuls

Die Geschichte ist uralt. Die Geschichte von Noah:

Während Gott das ganze Land durch eine große Flut überschwemmt, weil er sich über die Menschen so ärgert, ist Noah der einzige, der vor seinen Augen für seine Treue Gnade findet. Darum soll er nach Gottes Anweisungen eine Arche bauen, damit er darin zusammen mit seiner Familie und mit allen Tieren – von jeder Gattung ein Paar – Rettung findet.

Am Ende, nach der Sintflut, steigt Noah tatsächlich trockenen Fußes aus der Arche – gerettet. Und mit ihm die Welt. Auch sie taucht wieder auf. Und Gott gibt ihr seine Garantie: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Frost und Hitze, Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht“. Und als Zeichen seines Versprechens, setzt er einen Regenbogen an den Himmel.

Die Welt bleibt nicht dem Untergang geweiht – Gott sei Dank!
Auch wenn man das zuweilen fürchtet und sich fragt, ob diese Garantie noch Bestand hat.

Ich denke, die Erfahrung nach den beiden Weltkriegen und auch das Erleben heute nach manch furchtbarem Ereignis, ist der des Noah vergleichbar: Wieder aufgetaucht. Neuland wird betreten. Das Neuland der Demokratie etwa, dann das Neuland der Vergangenheitsbewältigung und mit ihr das Gedenken und Erinnern.
So wie heute. Am Volkstrauertag.

Für mich als Bläserin im Posaunenchor eigentlich undenkbar, an diesem Tag nicht an irgendeinem Denkmal zu stehen, an dem Menschen der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedenken. Meist regnet es noch dazu. Wellige Seiten im Choralbuch bleiben dauerhafte Zeugen, was heute gespielt wurde. Und kein Bläser, ob jung oder alt, hat Zweifel daran, auf einer sinnvollen Veranstaltung zu sein.

Das Gedenken ist auch mit Dankbarkeit verbunden. Nicht zuletzt dafür, im eigenen Land seit nunmehr 75 Jahren Frieden zu haben.
Das Gedenken mahnt aber auch zur bleibenden Verantwortung.
Friede und Demokratie zu bewahren ist und bleibt Aufgabe.

Ein Virus, vor dem wir uns im Augenblick am besten durch Abschottung schützen können, macht die Sache nicht einfacher.
Despoten, die auf Gefühlen und Grundrechten von Menschen herumtrampeln, als wären es Fußmatten, erschweren ihrerseits das Bemühen.

Die Sintflut mag ur-lange her sein. Aber die Geschichte von Noah behält ihre Bedeutung.
Wie oft seit damals mag es Gott erneut leidgetan haben, dass er uns gemacht hat. Trotzdem hält er noch und immer wieder an uns fest. Solange die Erde steht!

Wenn uns etwas aus dieser Geschichte für unseren Volkstrauertag helfen soll, dann das:
Der ehrliche, unverblümte Blick in die Welt. Einerseits.
Andererseits die Erfahrung und das Vertrauen, dass Gott diese Welt nicht verloren gibt. Um der Menschen willen!
Um der Menschen willen, die doch Gutes tun und bereit sind, sich für das Überleben von Mensch und Tier auch an die Arbeit zu machen.

Menschen, die mit Verstand und Herz statt Hetze auf die Straßen gehen.
Menschen, die Geflüchteten helfen und Leben retten, wo sie nur können. Menschen, die um die Wahrheit ringen, um differenziertes Denken, auch wenn´s zuweilen anstrengend ist.
Menschen, die die Welt in allen Farben des Regenbogens zum Strahlen bringen, statt in schwarz-weiß-Malerei Unheil zu zeichnen.

Menschen wie Noah.
Denn mit ihnen lassen sich Archen bauen!
Getragen von Gottvertrauen!

Friede ist und bleibt unsere Aufgabe.
Wir lassen nicht zu, dass darauf herumgetrampelt wird!
Dafür hat uns Gott das Leben nicht geschenkt.
Wir leben und jeder andere soll auch leben!

In diesem Sinn – und mit Hanns Dieter Hüsch gesagt – lasst uns „Gottes versammelte Großzügigkeiten werden und seine Artisten sein“.
Und Handwerker.
Menschen mit Zuversicht, Geduld und Freundlichkeit.
„Lasst uns spielerisch auftreten, wo andere mit dem Fuß aufstampfen.
Lasst uns Feinde in Freunde verwandeln […]
Viele sagen
Das sei ihnen unmöglich
Andre sagen
Das entspräche nicht ihrem gesunden Menschenverstand
Es kann auch nicht unserem Verstande entsprechen
Es kann nur der Liebe Gottes entsprungen sein
Und ist ein Geschenk außerhalb unserer Reichweite,
Außerhalb der Geschichte
Öffnen wir unsere Augen und unsere Herzen und
nehmen wir endlich das Geschenk an
Es ist dies unsere einzige Chance Weltfrieden zu machen
und allen Menschen ein Wohlgefallen zu bereiten“.
(aus: Hanns Dieter Hüsch, Anstoß zum Frieden)

Amen.

Der Friede, den Gott gibt, rührt nicht nur unsre Herzen. In Anspruch nimmt er uns die Worte und die Taten, verändert uns und zeigt für uns die Richtung an: Sein Friede ist der Weg, auf dem man gehen kann.

Der Friede, den er gibt, will ei uns Brücken schlagen. Er hebt die Grenzen auf, mit denen wir uns schaden. Er bricht die Zäune ab, an denen wir gebaut: Sein Friede ist die Kraft, aus der man lieben kann.

Im Frieden, den du gibst, wolln wir den Glauben leben, in unsrer Alltagswelt das Friedenstiften wagen. Wir bitten um Geduld, um Phantasie und Mut: Dein Friede ist das Maß, nach dem man leben kann.

Text: Johannes Kuhn 1988  Melodie: Martin Jan (1652) 1663 (EG 87)

Vertiefung, passend zum Tag, z.B. „Etwas tun“ oder Impuls zum Weitertragen in die Welt

Aktion „Vergissmeinnicht“. 1.000 Blüten der Versöhnung.

Ein mächtiges Zeichen für Frieden und Versöhnung setzt der Volksbund in diesem Jahr zum Volkstrauertag: Ein Stahlkranz mit 1,50 Metern Durchmesser wird mit 1.000 blauen und roten Blüten bestückt. Vergissmeinnicht und Mohnblumen stehen symbolisch für das Gedenken an die Opfer von Kriegen in Deutschland und Großbritannien sowie den übrigen Commonwealth-Staaten. Mehr zur Aktion

Es muss ja nicht Berlin sein. Vielleicht gibt es auch an deinem Ort eine Gelegenheit, Vergissmeinnicht, Mohnblumen oder andere Blüten in Kreuzform auszulegen und so ein Zeichen für Frieden und Versöhnung zu setzen.

Der Friede, den Gott gibt, rührt nicht nur unsre Herzen. In Anspruch nimmt er uns die Worte und die Taten, verändert uns und zeigt für uns die Richtung an: Sein Friede ist der Weg, auf dem man gehen kann.

Der Friede, den er gibt, will ei uns Brücken schlagen. Er hebt die Grenzen auf, mit denen wir uns schaden. Er bricht die Zäune ab, an denen wir gebaut: Sein Friede ist die Kraft, aus der man lieben kann.

Im Frieden, den du gibst, wolln wir den Glauben leben, in unsrer Alltagswelt das Friedenstiften wagen. Wir bitten um Geduld, um Phantasie und Mut: Dein Friede ist das Maß, nach dem man leben kann.

Text: Johannes Kuhn 1988  Melodie: Martin Jan (1652) 1663 (EG 87)

Fürbitte und Vaterunser

Du Gott in Ewigkeit,
danke für deine Treue und für deinen Bund des Friedens mit uns.
Danke für jeden Menschen, der sich unermüdlich für den Frieden einsetzt, im Kleinen wie im Großen.

Gedenke unser, die wir Mühe haben, das Leid von Kriegen zu ermessen.
Gedenke unser, wenn wir keine Lust haben, Trauer zu verspüren oder dabei sind, die Zusammenhänge zu verdrängen.

Stelle uns so, dass wir nicht ausweichen können.
Öffne uns die Augen für einen ehrlichen Blick:
Unser Volk ist nicht nur ein Volk großer Dichter und Denker.
Mache uns zu Werkzeugen deines Friedens.

Wir legen dir auch unsere ganz persönlichen Verluste dieses Jahres ans Herz.
Unsere Schuld. - ….
Wo wir als Einzelne oder als Gesellschaft gefehlt haben
als wir Menschen nicht besucht haben oder nicht besuchen durften - …
als wir Menschen alleine ließen in ihrem Sterben - …
als wir Menschen hängen ließen, statt sie bei uns aufzunehmen - …
als wir Grenzen zogen, wo wir uns hätten öffnen sollen - ….
als wir die Türen schlossen, statt sie weit zu öffnen für Kerzen und Gebete- …
So manches Versagen in dieser Krise.

Und wir legen dir unsere Erleichterung ans Herz.
Unsere Freude.
Denn siehe, wir leben.
Denn siehe, so vielen kann geholfen werden.
Denn siehe, so viele geben ihr Bestes, um anderen beizustehen.
Denn siehe, so viele leisten wertvolle Dienste für die ganze Gesellschaft.
Denn siehe, so viele nehmen ihre Verantwortung ernst.
So manche Bewahrung in dieser Zeit.

Segne uns und halte weiter fest an deiner Zusage, diese Welt zu tragen.
Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus und mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld. Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern
erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Abschluss

vielleicht ist es jetzt richtig, die Kerze auszublasen. Vielleicht lässt du sie noch brennen

Es segne dich Gott, zu allem mächtig und barmherzig.
Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen. vielleicht ist es jetzt richtig, die Kerze auszublasen. Vielleicht lässt du sie noch brennen

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine.
Halleluja Kyrieeleison: Herr Gott, erbarme dich!
Halleluja Kyrieeleison: Herr Gott, erbarme dich!

Text: Martin Luther 1529 nach der Antiphon „Da pacem, Domine“ 9. Jh. Melodie: Matthias Nagel

Marianne Gorka
Posaunenwerk // Arbeitsstelle für Gottesdienst und Kirchenmusik
Michaeliskloster Hildesheim