Photo by Aaron Burden on Unsplash
Photo by Aaron Burden on Unsplash

GOTTESDIENST ZEITGLEICH

Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung

Einstimmung
(laut für sich lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

Es ist Advent und wir sehen ein Licht. Hell und funkelnd.
Durch die Dunkelheit des Novembers hindurch kommt es zu uns.

Wir warten, denn darin sind wir dieses Jahr schon geübt.
Wir warten auf den Dezember und auf alles, was er bringen mag.
Und wir warten erstmal ab, was passiert und erwarten lieber nicht zu viel.
Und zugleich erwarten wir Großes.
Und wir können es kaum erwarten.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!  Ps 24,7

Gott kommt.
Mitten hinein in unsere Welt, in unseren Alltag.
Und wir machen die Tore auf und unsere Herzen weit.

Wir warten an vielen Orten. Verstreut und verbunden.
Und wir feiern in seinem Namen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
Es kommt der Herr der Herrlichkeit,
Ein König aller Königreich,
Ein Heiland aller Welt zugleich,
Der Heil und Leben mit sich bringt;
Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
Mein Schöpfer reich von Rat.

Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
Sein Königskron ist Heiligkeit,
Sein Zepter ist Barmherzigkeit;
All unsre Not zum End er bringt,
Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
Mein Heiland groß von Tat.

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

Text: Georg Wessel (1642)
Melodie: Halle 1704

Lesung: Sacharja 9,9-10 (Lutherübersetzung)
(laut für sich lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Verkündigungsimpuls
(Text lesen oder eine*r liest vor)

Regentropfen stehen auf der Fensterscheibe. Unzählig viele kleine und große Tropfen in denen sich die Lichter der dunklen Straße sammeln. Das Weiß der Scheinwerfer und das Rot der Rückleuchten. Die Straßenlaterne und die Weihnachtsbeleuchtung im Garten gegenüber.

Immer neue Tropfen kommen hinzu, setzen sich auf das Glas, bleiben alleine oder verbinden sich mit anderen. Beginnen zu fließen, erst ruckartig im Zickzack, dann unaufhaltsam wie ein kleiner Bach aus Regen und Lichtern.

Und drinnen steht er. Die leere Kaffeetasse in der Hand, schiebt er die Gardine zur Seite. Er steht am Fenster und sieht ihnen zu: Den Autos auf der Straße und den Tropfen auf der Fensterscheibe. Und manchmal, da muss er kurz die Augen zusammenkneifen und seinen Blick neu sortieren.

Er steht da und wartet. Darauf, dass die Tropfen orange blinken und ihn die Scheinwerfer blenden, wenn das Auto in die Einfahrt fährt. Darauf, dass eine Autotür zugeschlagen wird, dass die Lichter aufblinken, wenn er das Auto verriegelt. Und auf das Geräusch der Klingel.

Aber wahrscheinlich würde er es dann sowieso nicht mehr am Fenster aushalten, sondern gleich zur Haustür gehen und sie weit aufreißen. Dann würde der Regen ins Haus schlagen und den Fußboden nassmachen. Aber das wäre nicht wichtig.

Denn er wartet. Und er blickt auf die Uhr: Nicht mehr lange. Und auf der Straße fahren die Autos vorbei. Und Regentropfen laufen an der Fensterscheibe herunter.

Worauf er wartet? Auf den, der sich seinetwegen auf den Weg gemacht hat, der den weiten Weg zu ihm kommt, um ganz da zu sein. Nicht nur mit halbem Ohr und halbem Herzen.

Er wartet auf den, der immer die richtigen Worte zu finden scheint, gute Worte, nicht nur leere Hüllen. Er wartet auf den, der redet ohne zu sabbeln. Der gerecht ist und der es schafft, dass andere auch gerecht sein wollen. Und der sein Versprechen hält. Er wartet auf den, zu dem schon immer alle aufgeblickt haben. Auch ohne Titel oder Bestleistungen.

Und für einen kurzen Moment ertappt er sich dabei, wie aus dem ungeduldigen Warten Freude wird. Und er bremst sich selbst und sagt sich: Wer weiß, wie lange es noch dauert.

Und während er da so steht und wartet, flackert draußen an der Pforte ein kleines Licht. Ganz fein bricht es sich in den Regentropfen an der Fensterscheibe. Und er, der da am Fenster steht, muss die Augen anstrengen um zu erkennen, dass da einer zu Fuß durch den Regen hindurch auf sein Haus zukommt, das Handy als Lampe in der Hand.

Und schließlich versteht er, wer da kommt.
Und er läuft zur Tür und sein Herz ruft: Freue dich! Jauchze!

Tochter Zion, freue dich!
Jauchze laut, Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir!
Ja, er kommt, der Friedefürst.
Tochter Zion, freue dich!
Jauchze laut, Jerusalem!


Hosianna, Davids Sohn,
Sei gesegnet deinem Volk!
Gründe nun dein ew'ges Reich.
Hosianna in der Höh'.
Hosianna, Davids Sohn,
Sei gesegnet deinem Volk!
 

Hosianna, Davids Sohn,
Sei gegrüßet, König mild!
Ewig steht dein Friedensthron,
Du, des ew'gen Vaters Kind.
Hosianna, Davids Sohn,
Sei gegrüßet, König mild!

Text: Friedrich Heinrich Ranke (1826)
Melodie und Satz: Georg Friedrich Händel (1747)

Etwas tun

Vorne, hinten, rechts, links. Alles haben wir im Blick, wenn wir irgendwo warten müssen. Beim Bäcker, in der Bank, bei der Ärztin, in der Kirche.

Leg*t, wenn du*ihr warten musst*müsst einmal den Kopf in den Nacken und schau*t nach oben. Was liegt an diesem Ort über euch?

Fürbitten und Vaterunser
(eine*r betet für sich oder für alle in der Hausgemeinschaft)

Gott, Licht der Welt, nah und fern.
Hier sind wir. An vielen Orten, in vielen Häusern.
Unter deinem Himmel.
Wir warten auf dich und sehen in das Dunkel der Welt.

In deine Hände legen wir:
Unsere Angst und unsere Sorgen.
Unsere Fragen und alle Ungewissheit.
Unseren Jubel und all unsere Hoffnung.

Lass dein Licht leuchten.
An allen Orten, in allen Häusern.
Unter deinem Himmel.

Wir denken vor dir an alle, die wir lieb haben. Was tun sie gerade?

Stille.

Wir denken an all die Orte, die dich brauchen: die Boote, die Krankenhäuser, die stillen Kämmerlein, die vollen U-Bahnen.

Stille.

Und wir denken an deine Liebe, dein Leuchten.

Wir stellen uns und die ganze Erde in dein Licht.

Stille

Wir beten, wie du es uns gezeigt hast:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde,kommt und ist für alle da, kommt, dass Friede werde, kommt, dass Friede werde.

Hirt und König, Groß und Klein, Kranke und Gesunde,Arme, Reiche lädt er ein, freut euch auf die Stunde, freut euch auf die Stunde.
Text und Melodie: Friedrich Walz (1972)

Segen

Hände öffnen und laut sprechen:

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.

Und/Oder:
Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen.
Sagen:
Ich bin nicht allein. Sein Licht leuchtet für mich. Danke.

Evtl. Kerze ausblasen

Texte:
Svenja Kluth