Photo by Aaron Burden on Unsplash
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2. Weihnachtstag

GOTTESDIENST ZEITGLEICH

Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung

(Eine*r in der Hausgemeinschaft liest)

 Psalm 126

Wenn Gott die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Gott hat Großes an ihnen getan! Gott hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.

So steht es schon im Psalm 126. Und das feiern wir heute, am zweiten Weihnachts-Feiertag: Gott hat Großes an uns getan. In der Heiligen Nacht von Bethlehem. Ein überwältigendes Geschehen. Wie in einem Traum erlebt von Maria, von den Hirten auf dem Feld und den Königen aus dem Morgenland.

Diese Stunde ist allen gewidmet, die ihren Träumen trauen, wie auch Joseph es tat. Räumlich vielleicht getrennt, doch in weihnachtlicher Freude verbunden, feiern wir im Namen des menschgewordenen Gottes,

im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen

Gebet

(eine*r in der Hausgemeinschaft betet, oder alle beten gemeinsam)

Hier bin ich, guter Gott, mit meiner Hoffnung, meinen Träumen und mit meinen Sorgen.
Hier sind wir, versammelt als deine Gemeinde;
staunend, hörend, betend und singend vom weihnachtlichen Wunder.
Sei auch Du jetzt bei mir und mitten unter uns.
Der Glanz der Krippe legt sich auch auf diesen Moment.
Verbinde uns. Lass unsere Herzen fröhlich springen.

Amen.

Fröhlich soll mein Herze springen
dieser Zeit, da vor Freud
alle Engel singen.
Hört, hört, wie mit vollen Chören
alle Luft laute ruft:
Christus ist geboren.

Heute geht aus seiner Kammer
Gottes Held, der die Welt
reißt aus allem Jammer.
Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute,
Gottes Kind, das verbindt
sich mit unserm Blute.

Ich will dich mit Fleiß bewahren;
ich will dir leben hier,
dir will ich hinfahren;
mit dir will ich endlich schweben
voller Freud ohne Zeit
dort im andern Leben.

(T: Paul Gerhardt, M: Johann Crüger)

 

Hinführung zum Bibeltext des Tages
(eine*r in der Hausgemeinschaft liest)

Im Evangelium für den heutigen zweiten Weihnachtsfeiertag führt uns der Evangelist Matthäus noch einmal zurück in die Zeit vor der Geburt Jesu. Wir begegnen Josef, der die Schwangerschaft Marias zunächst nicht akzeptieren kann, denn eins ist klar: Er ist nicht der Kindsvater.

Bibeltext des Tages aus dem Matthäusevangelium 1, 18-25
(eine*r in der Hausgemeinschaft liest)
Übersetzung: Basisbibel

Zur Geburt von Jesus Christus kam es so: Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt. Sie hatten noch nicht miteinander geschlafen. Da stellte sich heraus, dass Maria schwanger war – aus dem Heiligen Geist.
Ihr Mann Josef hielt Gottes Gebote, aber er wollte Maria nicht bloßstellen. Ohne Aufsehen zu erregen, wollte er sich von ihr trennen. Dazu war er entschlossen. Sieh doch: Ein Engel des Herrn erschien ihm im Traum und sagte: »Josef, du Sohn Davids, habe keine Bedenken, deine Frau Maria zu dir zu nehmen! Denn das Kind, das sie erwartet, ist aus dem Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn zur Welt bringen. Du sollst ihm den Namen Jesus geben. Denn er wird sein Volk retten: Er befreit es von aller Schuld.«
Das alles geschah, damit in Erfüllung ging, was Gott durch den Propheten gesagt hat:»Seht doch! Die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn bekommen. Sein Name ist Immanuel. «Das bedeutet: »Gott ist mit uns.«
Josef wachte auf. Er tat das, was ihm der Engel Gottes befohlen hatte: Er nahm seine Frau zu sich. Er schlief nicht mit Maria, bis sie ihren Sohn zur Welt brachte. Und er gab ihm den Namen Jesus.

 

Verkündigungsimpuls zu Matthäus 1, 18-25
(eine*r in der Hausgemeinschaft liest)


Sind Sie, bist du schon mal einem Menschen begegnet, der wegen eines Traumes in der Nacht sein Leben geändert hat?
Josef, der seltsam schweigsame Vater des neugeborenen Königs war so einer. Er hatte erfahren, dass seine Verlobte Maria schwanger war, obwohl er sie noch nicht berührt hatte.
Bevor er sich lange einen Reim darauf machte, beschloss er, Maria zu verlassen.  Ohne Aufsehen. Er wollte Maria nicht Angriffen böser Leute aussetzen. Doch bei ihr zu bleiben, das kam für Josef auch nicht in Frage.
Oder?
Was sollte aus der jungen Frau mit dem gewölbten Bauch denn werden? Würde die Familie zu Hause sie wieder aufnehmen?
Das Grübeln über diese Fragen wird Josef aufgewühlt haben. Ein ermüdendes Gefühlchaos und ratloses Kreisen der Gedanken, den ganzen Tag bis in den Abend. Mit schweren Augenlidern und Gedanken schlief er ein.
In der Nacht kam ein Engel ihm nahe. Seine Worte, ganz klar zu vernehmen:  Habe keine Bedenken, Josef, nimm Maria als deine Frau an. Sie trägt ein Kind unter ihrem Herzen, das der heilige Geist in sie gelegt hat.
So soll es sein. Sie wird der Welt ein Kind schenken, das ein Volk und viele Seelen retten wird.
Josef machte seine Augen wieder auf und beschloss an diesem Morgen, seinem Leben eine Wende zu geben. Er nahm Maria als seine Frau an, schenkte ihr still seine Treue. Diesen Engel ohne Namen hatte Gott zum Boten gemacht.  
Josef entschied sich, Maria nicht zu berühren, bis das Kind geboren sein würde.
Wir, die wir Josefs Traumgeschichte hören, haben den Heiligen Abend und die Nacht von Bethlehem schon gefeiert, uns vielleicht bei wenigen Graden Celsius auf den Weg zu einer Christvesper unter freiem Himmel gemacht. Geschenke liegen geöffnet unterm Baum, und vielleicht sinnen wir nach, was in diesem Jahr anders gewesen ist als denen davor.
Da bekommt dieser Mann Josef besondere Aufmerksamkeit. Er, der dritte im Bunde am Rande der Heiligen Familie, wird geehrt. Er, vom dem wir kein Wort kennen, wird zu einem begabten Träumer gekürt. Der steht auf am Morgen und ändert seine weitreichenden Vorhaben.  
Der Bote hat gesprochen, und Josef zögert nicht. Aus Liebe zu Maria und, weil er einem Engel traut. Und weil er vielleicht sogar ahnt, dass sein Schritt für die Welt eine Bedeutung haben wird.
Er ist dabei nicht auf seinen Vorteil bedacht, hat schließlich Arbeit und Scherereien, trägt schweres Gepäck und ehrt mit aller gebotenen Rücksicht die teure Fracht für die ganze Welt.
Unsere Welt braucht Rechner und Realisten, Analytiker und Idealisten. Unsere Welt braucht auch Träumer. Einen wie Josef, der sich dem Schlaf hingibt und einer Engelstimme in der Nacht glaubt.
So wird Josef, der in Krippendarstellungen oftmals als der verdatterte Alte gezeigt wird, zum Träumer der Stunde. Er geht ab jetzt mit durch unsere Zeit.
Er träumt und liebt.
Er gewinnt, weil er sich nicht zum Gewinner macht.
Josef lässt dem Kind und der Mutter den Vortritt, weil der Engel ihm vielleicht eingeflüstert hat: Auch du wirst durch dieses Kind ein reiches Leben haben.

Fürbitte und Vaterunser
(eine*r in der Hausgemeinschaft betet, oder alle beten gemeinsam)

Guter Gott, Danke für alle Menschen, die mit ihren Träumen diese Welt und unser Leben erhellt haben. Wir bitten dich:

Sei du bei denen, die vom Leben enttäuscht das Träumen aufgegeben haben. Schenke Kraft, Weisheit und Inspiration allen, die für diese Welt und für unser Miteinander Verantwortung tragen. Wir bitten für die zahllosen Menschen, deren Rechte missachtet und deren Seelen geschunden werden.

Mache du uns stark, dort zu helfen, wo wir es vermögen.

Lass den Glanz von Weihnachten hineinstrahlen in unseren Alltag, in unser ganzes Leben.

Wir beten mit Worten, die Jesus selbst uns beigebracht hat:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg,
führ uns zur Krippe hin, zeig, wo sie steht,
leuchte du uns voran, bis wir dort sind,
Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind!

Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn,
und lässt uns alle das Wunder hier sehn,
das da geschehen, was niemand gedacht,
Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.

Stern über Bethlehem, wir sind am Ziel,
denn dieser arme Stall birgt doch so viel!
Du hast uns hergeführt, wir danken dir,
Stern über Bethlehem, wir bleiben hier!

Stern über Bethlehem, kehr‘n wir zurück,
steht noch dein heller Schein in unserm Blick,
und was uns froh gemacht, teilen wir aus,
Stern über Bethlehem, schein auch zu Haus!

T und M: Alfred Hans Zoller 1963

Abschluss

(eine*r in der Hausgemeinschaft liest)

Gott schütze dich bei Tag und in der Nacht.

Er begleite dich in deinen Träumen.

Gott segne dich und schenke dir Frieden.

Amen.

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Texte: Christine Behler und Andreas Hülsemann für Michaeliskloster.de