Photo by Aaron Burden on Unsplash
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1. Sonntag nach Weihnachten

GOTTESDIENST ZEITGLEICH

Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung

Kerze entzünden

Einstimmung (lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin ich mitten unter ihnen.
Wir sind versammelt.
An unterschiedlichen Orten.
Zur gleichen Zeit.
Im Glauben.
Wir feiern in Gottes Namen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Gebet

Gott. Ich bin hier
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Und ich bringe Dir alles, was ist.

Stille

Höre auf unser Gebet. Amen

1. Lopreiset all zu dieser Zeit,/ wo Sonn und Jahr sich wendet,/
Die Sonne der Gerechtigkeit,/ die alle Nacht gewendet/
Dem Herrn, der Tag und Jahr geschenkt,/
Der unser Leben trägt und lenkt, sei Dank und Lob gesungen.

2. Christus hat unser Jahr erneut/ und hellen Tag gegeben,/
Da er aus seiner Herrlichkeit/ eintrat ins Erdenleben. /
Dem Herrn, der Tag und Jahr geschenkt, /
Der unser Leben trägt und lenkt, sei Dank und Lob gesungen.

3. Er ist der Weg, auf dem wir geh´n, / die Wahrheit, der wir trauen. /
Er will als Bruder bei uns steh´n, / bis wir im Glanz ihn schauen.
Dem Herrn, der Tag und Jahr geschenkt, /
Der unser Leben trägt und lenkt, sei Dank und Lob gesungen.

(Gotteslob 258; T Nach Heinrich Bone 1851 M Johann Sebastian Bach 1736)

 

Bibeltext Lukas 2, 25-38

Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war auf ihm. 26 Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. 27 Und er kam vom Geist geführt in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, 28 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: 29 Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; 30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, 31 das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, 32 ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel. 33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. 34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen, und ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – 35 und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen –, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden. 36 Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser. Sie war hochbetagt. Nach ihrer Jungfrauschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt 37 und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. 38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

//: Es ist für uns eine Zeit angekommen,/ es ist für uns eine große Gnad ://           Unser Heiland Jesu Christ, / der für uns, der für uns /
der für uns Mensch geworden ist.
//: Und es erging ein Gebot von dem Kaiser, / dass alle Welt gezählet würd.://
Josef und Maria voll der Gnad / zogen hin, zogen hin, /
zogen hin nach Davids Stadt.

//: Es war kein Raum in der Herberg zu finden,/ es war kein Platz für arme Leut.:// In dem Stall bei Esel und Rind / kam zur Welt, kam zur Welt/     
kam zur Welt das heilge Kind.

//: Es waren Hirten bei Nacht auf dem Felde,/ ein Engel ihnen erschienen ist: ://
„Fürcht Euch nicht, ihr Hirtenleut! / Fried und Freud, Fried und Freud /
Fried und Freud verkünd´ ich heut.

T + M: Sternsingerlied aus der Luzerner Wiggental. T (Str. 2 – 9): Maria Wolters 1957


Verkündigungsimpuls

Ich treffe Annah in ihrem Wohnzimmer.
Es ist diese Zeit „Zwischen den Jahren“. Und es wurde wirklich Zeit für uns.
Es ist gar nicht so leicht, eine 84jährige Prophetin in diesen Zeiten zu treffen.
Es gibt Tee und Braune Kuchen. Übrig geblieben vom Fest.
Wir treffen uns, also. Mit Zeit. Zwischen den Jahren.
Mit Abstand und so ist es schwierig in ihrem kleinen Wohnzimmer.
Deswegen sitzt sie an ihrer elektronischen Orgel und ich am Stubentisch.

Die Möbel sind aus dem großen Haus, die mochte sie nicht alle wegtun, als sie in die kleine Wohnung gezogen ist.
Abgewetzter Samt und Eiche rustikal.
Wir schweigen.
Ich verberge meine rau-roten Hände in meinen Ärmeln.
Zu viel Desinfektionsmittel und Hände Waschen in der letzten Zeit.
Sie legt ihre Hände auf die Tasten.
Sie zittern ein wenig, als die Finger die richtigen Akkorde suchen.
Sie singt mit einer eingerosteten Alt-Frauen-Stimme. Leise erst.
„Es ist für uns eine Zeit angekommen…“
Das kenne ich noch aus der Schule.
Ihre Stimme verirrt sich in ein „Schnee beglänztes Feld…“ und will dort weiter wandern.
Worte aus ihrer Kinderzeit, schwer zu tilgen. In dieser Zeit wurde die Gnade ersetzt.
Ja, eine gnadenlose Zeit. Vor mehr als 75 Jahren.
Sie bricht fast ab.
Ich sehe, wie ein Ruck durch ihren Körper geht. Die Finger suchen erneut die Akkorde und dann:
„… unser Heiland Jesus Christ, der für uns, der für uns, der für uns Mensch geworden ist.“
Bei jeder Wiederholung wird ihre Stimme fester.
Nach dem letzten Ton nimmt sie ihre Hände von den Tasten.
Sie zittern wieder.
„Schenk du ein“, bittet sie und zeigt auf die Teekanne mit Wollmütze.
Die Dämmerung verdichtet sich in den Ecken zu Dunkelheit.
Ein paar Minuten später schon als gestern.
Ich hoffe, dass die Dunkelheit meine Hände verbirgt, als ich den Tee eingieße.
Da berühren ihre Hände meine Handrücken.
Schon lange hat niemand mehr dahin gefasst.
Sie streicht über harte Haut und Schrunden.
„Weißt Du“, sagt sie „er ist die Erlösung für die, die warten.“
Als ich gehe, zittern meine Hände immer noch.

Zu Bethlehem geboren / ist uns ein Kindelein.
Das hab ich auserkoren, sein eigen will ich sein,
eia, eia, sein eigen will ich sein.

In seine Lieb versenken / will ich mich ganz hinab;
Mein Herz will ich ihm schenken / und alles, was ich hab,
eia, eia, und alles, was ich hab.

O Kindelein, von Herzen / will ich dich lieben sehr,
in Freuden und in Schmerzen / je länger mehr und mehr,
eia, eia, je länger mehr und mehr.

Dazu dein Gnad mir gebe, bitt ich aus Herzensgrund,
dass dir allein ich lebe, jetzt und zu aller Stund,
eia, eia, jetzt und zu aller Stund.

T: Friedrich Spee 1637. M: Paris 1599; geistlich Köln 1638

Etwas tun

Singe! Unter der Dusche, beim Hausputz. Singe mit deinen Alten und mit deinen Jungen.
Vielleicht summst du auf der Straße oder beim Einkauf. Welche Melodie kommt dir vom Herz in die Stimme?

Fürbitten

Ein*e: Gott, zwischen Zeit und Ewigkeit.
Zwischen den Jahren
Wenden wir uns zu dir.

Eine*e: Gott, für unsere Stimmen beten wir:
Dass wir die Lieder nicht vergessen.
Und die Gnade.
Alle: Gott, erbarme dich.

Ein*e: Gott, für unsere Hände bitten wir dich.
Dass sie Ruhe finden.
Und jemanden, den sie berühren können.
Der Berührung spendet.
Alle: Gott, erbarme dich.

Eine*e: Gott, für unsere Seelen bitten wir dich.
Dass sie die Alten nicht vergessen.
Und nicht, worauf sie warten
Dass sie die Jungen nicht vergessen.
Und ihre Freude.
Alle: Gott, erbarme dich.

Ein*e: Gott, zwischen den Jahren wenden wir uns zu dir.
Weil wir warten.
Weil wir Ruhe finden.
Weil wir Gnade brauchen.

Und beten mit den Worten Jesu, der die Erlösung brachte:

Alle: Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

1)    Gott spricht uns zu sein schönstes Wort:/ In ihm geht er uns entgegen/ und ruft einen jeden bei seinem Namen, / wartet voll Sehnsucht auf unser „Ja“.

2)    Gott spricht zu uns sein tiefsten Wort:/ Es ist bis heut nicht verklungen,/ hat leise und sanft das Schweigen gebrochen,/ mit seinem Klang die Nacht erfüllt.

4)    Gott hat in seinem eignen Sohn / sich in die Welt gegeben. / Wer ihn bei sich aufnimmt und ihn zur Welt bringt, / wird neu geboren, der wird Mensch.


Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.

Und/Oder:
Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Sagen: Ich bin nicht allein. Bin Mensch seines Wohlgefallens. Danke.

Evtl. Kerze ausblasen


Text: Anneke Ihlenfeldt