Photo by Aaron Burden on Unsplash
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21. Februar 2021

GOTTESDIENST ZEITGLEICH

Verraten und verkauft

Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung

Sagen:
Jetzt sind wir da.
Wir sind müde. Wir sind wach.
Uns fällt das Leben grade leicht und es fällt uns schwer.
Wir wissen viel und wir wissen nichts. 
Sind beieinander und an verschiedenen Orten.
Und alle sind wir Menschen, die Gott brauchen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. 
Amen

Wir gehn hinauf nach Jerusalem
in leidender Liebe Zeiten
und sehen, wie einer für alle stirbt,
um uns einen Platz zu bereiten.

Wir gehn hinauf nach Jerusalem.
Wer will bei dem Herren bleiben
und kosten von einem so bittern Kelch?
Die Angst soll uns nicht von ihm treiben.

T: Karl-Ludwig Voss (1970) nach schwed. Original von Paul Nilsson (1906), M: Volksweise (1627)

Gebet 
Deinen Weg, Jesus, will ich bedenken. 
Du wirst verraten und verkauft, 
du wirst alleingelassen, 
auch von den Deinen. 
Du trägst auch unser Leid, 
unsere Verzweiflung und Angst. 
Steh uns bei in dieser dunklen Zeit,
wenn wir allein oder verraten sind. 
Amen. 

Bibeltext: Johannes 13,21-30 (Luther 2017)
(Eine*r liest)
Jesus wurde erregt im Geist
und bezeugte und sprach:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Einer unter euch wird mich verraten.
Da sahen sich die Jünger untereinander an,
und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.
Es war aber einer unter seinen Jüngern,
der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb.
Dem winkte Simon Petrus,
dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete.
Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn:
Herr, wer ist’s?
Jesus antwortete:
Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.
Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein
und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.
Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn.
Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte.
Denn einige meinten,
weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm:
Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!,
oder dass er den Armen etwas geben sollte.
Als er nun den Bissen genommen hatte,
ging er alsbald hinaus.
Und es war Nacht.


Verkündigungsimpuls

"Einer unter euch wird mich verraten." Der Satz trifft mitten ins Herz. Ein Satz und es wird bedrückend still. Keiner sagt ein Wort. Die Jünger schauen sich an. Sind ratlos. Vielleicht sogar verzweifelt. Eine gefühlte Ewigkeit lang drückt die Stille aufs Gemüt. Bis sich der erste traut und die Frage stellt, die alle umtreibt: "Wer ist's?" Petrus und Johannes flüstern miteinander. Dann wird Jesus gefragt: "Wer ist's, der dich verrät?" Eine bange Frage. Kaum einer der Jünger kann die Hand dafür ins Feuer legen, dass nicht er der Verräter ist. Eigentlich ist es keinem von ihnen zuzutrauen. Oder jedem. Jeder würde von sich behaupten, für Jesus durchs Feuer zu gehen. Doch in wenigen Stunden werden fast alle Jesus im Stich zu lassen.

"Einer unter euch", sagt Jesus. "Einer wird mich verraten." Verrat ist schlimm. Aber wenn ein Freund der Verräter ist, ist es noch schlimmer. Verrat in seiner grausamsten Form, die größte Enttäuschung, die es gibt. Niemand kann mehr verletzten als die, die man liebt. "Einer unter euch wird mich verraten". "Wer ist's? Wer wird es tun? Jesus, sag es uns!" Die Jünger wollen ihre Sorge hinausschreien. Und sie wollen Gewissheit. "Wer ist's?" "Der ist's,", sagt Jesus, "dem ich den Bissen eintauche und gebe." Und dann nimmt er ein Stück Brot und taucht es in eine der Schüsseln. Eine vertraute Geste, eine Zeremonie, die zum Passafest gehört. Gleich wird er einem der Männer das Brot reichen. Aber weiß der Verräter schon, dass er gemeint ist? Oder hat er noch die Hoffnung, dass Jesus seinen Bissen einem anderen reicht?

"Einer unter euch wird mich verraten". Jetzt ist es klar, wen Jesus meint: "Du bist der Mann, Judas!" Jesus gibt ihm den Bissen. Und der nimmt ihn aus seiner Hand. "Der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen", hat Jesus gerade gesagt. Nun beginnt sich die Vorhersage zu erfüllen. Judas isst das Brot und geht dann hinaus in die Nacht. Gleich wird er Jesus verraten. Was eben nur eine Idee war, wird er jetzt tun. Warum noch warten? "Was du tust, das tue bald", sagt Jesus zu ihm. 

"Einer unter euch wird mich verraten." Ein Satz, der einen schweigen macht und traurig. Der Verrat des geliebten Jüngers ist der nur erste Schritt. Es werden noch weitere folgen, die Jesus ans Kreuz bringen.  

Amen. 

Manches Holz ist schon vermodert,
manches Holz ist frisch geschlagen.
Bei dem Kreuz, mit Blick zum Himmel
sammeln sich in diesen Tagen
Splitter der Erinnerung, Trauer, die wir in uns tragen.
 
Mancher Zorn ist längst erloschen, 
mancher Zorn birgt neue Fragen
bei dem Kreuz, mit Blick zum Himmel
lodern auf in diesen Tagen
Funken der Erinnerung, aus der Asche neue Klagen.
 
Manches Wort schweigt in der Seele,
manches Wort führt laute Klagen
bei dem Kreuz, mit Blick zum Himmel
werden laut in diesen Tagen
Fetzen der Erinnerung, Schrecken, die noch Wunden schlagen.
 
Mancher Trost ist tief verborgen, 
mancher Trost will Hoffnung wagen,
bei dem Kreuz, mit Blick zum Himmel
leuchten auf in diesen Tagen
Träume der Erinnerung, Gottes Worte, die uns tragen.
 
T: Ilona Schmitz-Jeromin (2010), M: Martina Pohl (2010)
 
Fürbitten und Vaterunser 
 
Wie schwer ist es uns, 
dein Leiden zu verstehen, Jesus Christus, 
du Bruder aller Menschen.
Du hast dich verraten lassen, 
hast die Bitterkeit angenommen, 
die Einsamkeit ertragen. 
 
 
Stille
 
Was wir in diesen Tagen ertragen müssen, 
wir legen es in deine Hände.
In der Stille sagen wir dir, 
was uns bedrückt und belastet. 
 
Stille
 
Für die Menschen, 
die leiden müssen, 
Schmerzen aushalten 
und den Weg des Sterbens gehen, 
bitten wir dich in der Stille. 
 
Stille
 
Für die Trauernden, 
die einen geliebten Menschen verloren haben, 
und die kaum mehr weiterwissen, 
bitten wir dich in der Stille. 
 
Stille
 
Für die Einsamen, 
die sich allein fühlen, 
die keinen haben, der sie besucht, 
bitten wir dich in der Stille. 
 
Stille
 
Und gemeinsam beten wir: 
 
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name, 
dein Reich komme, 
dein Wille geschehe, 
wie im Himmel, so auf Erden. 
Unser tägliches Brot gib uns heute. 
Und vergib uns unsere Schuld, 
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 
Und führe uns nicht in Versuchung, 
sondern erlöse uns von dem Bösen. 
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. 
Amen. 

Weise uns den Weg, Gott, geh mit!
Begleite du uns, Gott, Schritt für Schritt.
Wo wir stolpern, straucheln, zagen,
wo uns Angst lähmt, zu versagen:
Weise uns den Weg, Gott, geh mit, Gott, geh mit,
Weise uns den Weg, Gott, geh mit.

Weise uns den Weg, Gott, geh mit!
Behüte du uns Gott, Schritt für Schritt.
Wo wir zweifeln, hadern, ringen,
wo wir nichts zustande bringen:
Weise uns den Weg, Gott, geh mit, Gott, geh mit,
Weise uns den Weg, Gott, geh mit.

Weise uns den Weg, Gott, geh mit!
Ermutige uns, Gott, Schritt für Schritt.
Lass in deinem Licht uns gehen, 
lass uns deine Spuren sehen:
Weise uns den Weg, Gott, geh mit, Gott, geh mit,
Weise uns den Weg, Gott, geh mit.

T: Eugen Eckert (2015) und M: Gerd-Peter Münden (2015)

Segen
Hände öffnen, Handflächen nach oben,
sagen:
Gott, segne uns/mich.
Gott, behüte uns/mich.
Lasse dein Angesicht leuchten über uns/mir.
Sei uns/mir gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns/mich.
Und gib uns/mir Frieden.
Amen.

Und/oder:
Fenster öffnen.
Einatmen. Ausatmen.
Sagen:
Weise uns den Weg, Gott, geh mit, Gott, geh mit.
Ich bin da und du bist da, Gott.
Danke.
Amen.


Texte: Stephan Goldschmidt / Birgit Mattausch