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14. März 2021 | 10 Uhr

Rosa Blüten
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GOTTESDIENST ZEITGLEICH

Welche Farbe hat dein Glaube?

Dieser Gottesdienst ist zugleich ein Entwurf für den in der Landeskirche Hannovers alljährlich am Sonntag Lätare gefeierten „Tag der Posaunenchöre“. Daher gibt es hier und da Bezüge und sind die hier eingespielten Musikstücke und Lieder ausschließlich durch Bläsermusik besetzt.

Mehr zum Tag der Posaunenchöre finden Sie hier. (Noten, Aktionen, Probentermine)

Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung

Sagen:
Jetzt sind wir da.
Wir sind müde. Wir sind wach.
Uns fällt das Leben grade leicht und es fällt uns schwer.
Wir wissen viel und wir wissen nichts.
Sind beieinander und an verschiedenen Orten.
Und alle sind wir Menschen, die Gott brauchen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen

Gebet (ein*r betet)

Hier sind wir/Hier bin ich, barmherziger Gott,
mit vielen verbunden in deinem Haus,
wo alle willkommen sind, wo alles wohnt –
Aber Haus, „Home“ ist mehr nicht nur „sweet“ in diesen Zeiten,
wenn der Esstisch gleichzeitig Schule ist und Büro;
wenn Händler ihre Häuser nicht öffnen dürfen,
Boten umso mehr nach Hause schleppen und liefern müssen;
Wenn Künstler Theaterhäuser und Bühnen vermissen,
und das Publikum fehlt, das Raunen und Hüsteln im Saal, das Flanieren in der Pause;
wenn Bläser und Sängerinnen nicht im vollen Chor musizieren dürfen, vor ausverkauftem Haus...

Da wohnt ein Sehnen tief in uns!

Herr, erbarme dich.

Es gibt so vieles, das uns umtreibt:
Übervolle Intensivstationen, nicht gerettetes Leben,
schaukelnde Boote auf offenem Meer, nicht gerettetes Leben,
Extremwetter, Artensterben, bedrohte Ökosysteme – nicht gerettetes Leben.
Dürfen wir trotzdem bleiben? Unser Zelt aufschlagen, unsere Hütte bauen und Heimat finden in dir?

Da wohnt ein Sehnen tief in uns!

Herr, erbarme dich.

Lieber einen Tag nah bei dir
als Tausende weit von dir weg,
lieber einen bei dir, als Tausende weit weg...

Da wohnt ein Sehnen tief in uns!

Herr, erbarme dich.

Sich zusprechen: 

Siehe“, spricht Gott beim Blick über Jerusalem:
„Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom!“
Darüber freut sich alle Welt und jubelt hoffend:

Und weiter beten mit Worten von Psalm 84: 

(wenn mehrere da sind, gern im Wechsel der Stimmen)

I: Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaot.
Meine Seele sehnt sich danach und wünscht sich nur:
Ich möchte so gerne beim Herrn sein,
in den Höfen, die seinen Tempel umgeben.

II: Mit Leib und Seele schreie ich nach dir,
nach dem Gott meines Lebens.

I: Sogar der Sperling hat ein Zuhause gefunden
und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen.
So ist es auch bei deinen Altären, Herr Zebaot,
mein König und mein Gott:

II: Glücklich sind, die in deinem Haus wohnen
und dich dort für immer preisen!

I: Glücklich sind die Menschen,
die einen sicheren Platz bei dir finden.
Sie gehen schon in Gedanken
auf Pilgerreise zu deinem Haus.

II: Müssen sie durch ein dürres Tal,
stellen sie sich eine Quelle vor Augen.
Segensreich füllt der erste Regen den Teich.

I: So wandern sie dahin mit wachsender Kraft,
bis ihnen Gott auf dem Zion erscheint.

II: Herr, Gott Zebaot, hör meine sehnsuchtsvolle Bitte!
Hab ein offenes Ohr, Gott Jakobs!

I: Bewahre den König, Gott, er ist unser Schild!
Begegne ihm freundlich, du hast ihn gesalbt!

II: Einen Tag in deinen Höfen zu verbringen
ist besser als tausend, die ich selbst erwählt habe.

I: Im Haus meines Gottes auf der Schwelle zu stehen
ist besser, als in den Zelten der Frevler zu sitzen.

II: Ja, Gott, der Herr, ist Sonne und Schild.
Gnade und Würde verleiht uns der Herr.
Er verwehrt keinem das Glück,
der ein vorbildliches Leben führt.

Alle: Glücklich sind die Menschen, Herr Zebaoth,
die sich ganz auf dich verlassen.

Gott, ich bin/wir sind hier – du bist hier. Mehr braucht es nicht.
In Glauben und Gebet bin ich / sind wir mit dir verbunden.
In Glauben, Gedanken und Gebet bin ich/sind wir mit so vielen verbunden, die ich kenne.
Mancher fehlt mir gerade jetzt besonders.
Sei du bei uns allen. Lass uns deine Nähe spüren.

Amen.

Lesung aus Johannes 12, 20-24 (Basisbibel-Übersetzung)

Es befanden sich auch einige Griechen unter denen,
die zum Fest nach Jerusalem gekommen waren,
um Gott anzubeten.
Die gingen zu Philippus,
der aus Betsaida in Galiläa stammte,
und baten ihn:
»Herr, wir wollen Jesus sehen!«
Philippus ging zu Andreas und sagte es ihm.
Dann gingen die beiden zu Jesus
und berichteten es ihm.
Da sagte Jesus zu ihnen: »Die Stunde ist gekommen!
Jetzt wird der Menschensohn
in seiner Herrlichkeit sichtbar.
Amen, amen, das sage ich euch:
Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben,
sonst bleibt es allei
Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.

Kleine Predigt (eine*r liest vor)

Welche Farbe hat dein Glaube? 

Für Julian muss der Glaube unbedingt blau sein, hell und weit wie der Himmel. Hanna sieht ihren Glauben in Rot, wegen der Liebe und Gott ist doch die Liebe. Für mich ist der Glaube gelb, sonnengelb. Wie die Sonne und die Sonnenblumen, strahlend, wärmend, glänzend. Welche Farbe hat dein Glaube?

In der Kirche kennen wir die verschiedenen liturgischen Farben. Mit ihnen gehen wir durchs Kirchenjahr. Weiß steht für die Anwesenheit Gottes, für die großen christlichen Feiertage Weihnachten und Ostern. Im Sommer, wenn alles wächst und reift, dann „grünt“ es auch in den Kirchen! Und wenn die Kirche „Rot sieht“, dann sprüht sie über vom Heiligen Geist: An Pfingsten oder am Reformationstag legt die Kirche Rouge auf, die Farbe der Energie und der Kraft. Schwarz gibt es nur an einem Tag – Karfreitag. Und noch eine Farbe kommt – wenn überhaupt – bei uns nur ein einziges Mal vor. Rosa.

Rosa ist die Farbe dieses Sonntags Lätare: „Freue dich!“ Nach Bibelworten dieses Tages so genannt: „Freudensonntag“ oder auch „Rosensonntag“ und „Brotsonntag“. Heute also ist der Glaube rosa.

Ob die Menschenmenge in Jerusalem auch die rosarote Brille aufhatte oder nicht doch eher Rot sah, weil Jesus in der Stadt war, weiß man kaum zu unterscheiden. 

Er kam zum Passahfest wie Tausende andere auch. Doch war es sofort anders: Großer Einzug. Grüne Zweige. Rote Wangen vor Eifer und Freude. Alle wollten ihn sehn. 

Ganz Clevere versuchten, über die Jünger an ihn ranzukommen. Wollten einen Nachweis seiner göttlichen Vollmacht. Suchten wohl nach Zeichen und Wundern. Stattdessen gab es Brot und harte Nuss zu knacken. Denn Jesus spricht in Bildern: „Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Seltsam...

Welche Farbe hat der Glaube?

Weizenkörner sind braun, hellbraun oder gold-gelb, wie man´s nimmt. Aber rosa? Auch die rosa Brille dürfte hier von den Augen fallen, wenn einer sich so in Rätseln ausdrückt. Statt eifrig roter Wangen steigt die Wut ins Gesicht. Aber doch: Heute trägt der Glaube rosa. Pretty in Pink. Freut euch! Freut euch mit Jerusalem, die Stadt in der auch Jesus das Passahfest feiern will. Freut euch an den Rosen, solange sie blühen. Freut euch am Brot, das euch nährt und rosa Wangen macht, wie man so sagt.

Alles kommt in diesem Moment zusammen.

Alles kommt in dieser Farbe zusammen.

Wenn das Weizenkorn erstirbt und Frucht bringt.

Wenn aus Körnern ein Brot wird; aus vereinzelten Menschen eine starke Gemeinschaft, die Frucht bringt und Leben und Liebe.

Wenn Gott in das Leben der Menschen kommt, wenn sich Weiß als die Farbe Gottes unter das Rot, das Blut der Menschen mischt, wird es hell, rosa.

Darum ist dies die Farbe des Sonntags. In der Mitte der Passionszeit mischt sich ein erster Oster-Funken in die Wut, den Eifer und die Sorge der Gläubigen hinein, ja auch in ihre Einsichten, ihre Tief- und Abgründe, ihre Trauer, ihre Verluste und in ihre Kraft. 

Gott weiß, was es bedeutet, Mensch zu sein – in allen Farben des Lebens. Er weiß, was es heißt, im sonnengelben Stroh zu liegen, von grünen Zweigen empfangen zu werden, aber auch in glühende Gesichter zu schauen, die Rot sehen, ihre blauen Lippen schreien und klagen zu hören; Gott weiß, wie es ist, wenn dir schwarz vor Augen wird. Gott weiß, dass er sterben muss, damit wir leben und glauben können.

So macht er unser Leben hell. 

Von Blutrot, ins himmelblau gefärbte Lila zum blassgöttlichen Rosa.

Bis auch wir eines Tages ganz im Glanz der Sonne aufgehen und unsere Westen endgültig weiß sind.

Welche Farbe hat dein Glaube? 

Es ist nicht selbstverständlich, so etwas Inneres, ja fast Intimes wie den Glauben mit so äußerlichen Merkmalen auszudrücken. Aber in allen unsere Farben mischt sich der Glanz, der von Eden aufbricht, Morgenglanz der Ewigkeit. Und wir mittendrin:

Rot vor Zorn zuweilen, voller Eifer und Energie, aber die Liebe Gottes im Herzen.

Zitternd oft mit blauen Lippen vor Angst, aber den Himmel über uns.

Grün voller Hoffnung, weil so fest verwurzelt auf blühendem Grund.

In allen unseren Farben schon „pretty in Pink“ – unser Leben durchzogen von Gottes Glanz.

Freue dich! Freut euch alle! Denn ein sterbendes Weizenkorn bringt viel Frucht in all unsere Farben des Glaubens.

Etwas Tun (Ein Impuls von Birgit Mattausch)

Ich finde: Rosa macht gute Laune.
Achte heute deshalb auf alles, was rosa ist. Mach Fotos davon.
Du kannst jetzt schon durch deine Wohnung gehen und danach suchen. Oder später bei einem Spaziergang.
Fotografiere so viel wie möglich Rosafarbenes.
Wenn es in den nächsten Tagen mal schwer wird, schau in deine Handyfotos. Und erinnere dich daran: das weiße Osterlicht leuchtet schon im Rosa zu dir hinüber.

Gebet (ein*r betet oder die Fürbitten werden auf mehrere Personen verteilt)

Guter Gott,
in allen Farben schillert das Leben und in allen Farben bist du:
Im Morgenrot der Sonne bist du, wie im Tiefschwarz mancher Nacht.
Im Regenbogen hast du ein Zeichen gesetzt, dass du uns niemals verlässt.
Dafür danken wir dir sehr und klammern uns betend an diesen Bund.
Für alle, denen das Leben gerade bunt und leicht ist:
Kinder und Verliebte, Glückliche und Erfolgreiche.

...stiller Nachhall...

Sei und bleibe ihnen gnädig zugewandt im Osterfunken des Glaubens.
Für alle, denen das Leben gerade grau und schwer ist:
Einsame und Kranke, Sterbende,
Menschen am Rand ihrer Kraft, ohne Perspektive, ohne sicheren Halt

...stiller Nachhall...

Sei und bleibe ihnen gnädig zugewandt im Osterfunken der Hoffnung.
Für uns selbst,
manchmal mit rosa-roter Brille,
manchmal im schwarz-weiß-Denken verhaftet.

...stiller Nachhall...

Sei und bleibe uns gnädig zugewandt im Osterfunken der Liebe.
Für alle Bläserinnen und Bläser die sich danach sehnen, wieder im „Flächengold“ der Instrumente zu stehen, wenn sie spielen: Dir, Gott zum Lob.
Für alle, die durch ihre Musik, ihre Kunst, ihre Arbeit so viel Farbe ins Leben bringen und uns fehlen, weil sie (womöglich) noch immer nicht auftreten, noch immer nicht öffnen dürfen.

...stiller Nachhall...

Sei und bleibe uns und ihnen zugewandt im Osterfunken der Auferstehung.
Guter Gott, wir bitten dich:
Lege uns immergrüne Hoffnung ins Gemüt,
Sonnenschein in unser Herz,
Liebe in unsere Gedanken und Taten
und deines Himmels Blau in unsere Augen.
Mit der ganzen Farbpalette des Glaubens in uns, beten wir gemeinsam als deine Kinder zu dir:

Vater unser (alle, die da sind, gemeinsam)

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Hände öffnen, Handflächen nach oben, Sagen:

Gott, segne uns/mich.
Gott, behüte uns/mich.
Lasse dein Angesicht leuchten über uns/mir.
Sei uns/mir gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns/mich.
Und gib uns/mir Frieden.

Amen.

Und/oder:

Fenster öffnen.
Einatmen. Ausatmen.

Sagen:

„einmal sich alles geschehen lassen und wissen:
was geschieht, ist gut.“
Ich bin da und du bist da, Gott.
Danke.

Amen.

Texte:

Marianne Gorka, Referentin für Gottesdienst im Michaeliskloster und Landespastorin für die Posaunenchorarbeit der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers. 

Impuls (Etwas tun): 

Birgit Mattausch, Referentin für Gottesdienst im Michaeliskloster

Musik

Ensemble NOORDWIND. Landesposaunenwarte Hayo Bunger, Christian Fuchs, Reinhard Gramm, Henning Herzog (musikalische Konzeption und Stückauswahl), Günter Marstatt, Lennart Rübke, Moritz Schilling.