Photo by Aaron Burden on Unsplash
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Palmsonntag

28. März 2021 | 10 Uhr

Foto: toa heftiba/unsplash.com

GOTTESDIENST ZEITGLEICH

Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung

Gruß (eine*r in der Hausgemeinschaft spricht:)

Wir sind beieinander und an verschiedenen Orten.
Und alle sind wir Menschen, die Gott brauchen.
Wir feiern in seinem Namen:
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen

Gebet

eine*r in der Hausgemeinschaft betet, oder alle beten gemeinsam

Gott, unser Schöpfer, wir danken dir, dass du für uns da bist.
Danke, dass du in Jesus Christus zu uns in diese Welt gekommen bist.
Danke, dass du im Heiligen Geist mitten unter uns bist – hier und jetzt.
Das möchten wir erfahren. Öffne uns für das, was du zu geben hast.
Richte unsere Gedanken auf das aus, was dir wichtig ist.
Sprich in unser Leben hinein und lass uns auf dich hören.
Zieh in unsere Herzen ein mit deiner Liebe und Barmherzigkeit.
Dich loben wir bis in Ewigkeit.
Amen

Hinführung zum Bibeltext für Palmsonntag

eine*r in der Hausgemeinschaft liest

Wer ist dieser Jesus, dem die Menschen begeistert Palmzweige und Umhänge auf den Weg legen? Menschen, die nah oder weiter weg stehen und unbedingt einen Blick erhaschen wollen auf den Menschen, auf dem so viele Hoffnungen ruhen. Und wer sind die Menschen, die ihm bei seinem Einzug nach Jerusalem folgen - enthusiastisch, zweifelnd oder argwöhnisch? Viele, die ihn jetzt bejubeln, werden fünf Tage später schreien: Kreuziget ihn!

Bibeltext des Tages aus dem Matthäusevangelium 21, 1-11

eine*r in der Hausgemeinschaft liest

Übersetzung: „Die Gute Nachricht“

Kurz vor Jerusalem kamen sie zu der Ortschaft Betfage am Ölberg. Dort schickte Jesus zwei Jünger fort mit dem Auftrag: »Geht in das Dorf da drüben! Gleich am Ortseingang findet ihr eine Eselin und ihr Junges angebunden. Bindet beide los und bringt sie zu mir! Und wenn jemand etwas sagt, dann antwortet: ›Der Herr braucht sie.‹ Dann wird man sie euch sofort geben.« Damit sollte in Erfüllung gehen, was der Prophet angekündigt hatte: »Sagt der Zionsstadt: Dein König kommt jetzt zu dir! Er verzichtet auf Gewalt. Er reitet auf einem Esel und auf einem Eselsfohlen, dem Jungen eines Lasttiers.« Die beiden Jünger gingen hin und taten, was Jesus ihnen befohlen hatte. Sie brachten die Eselin und ihr Junges und legten ihre Kleider darüber, und Jesus setzte sich darauf. Viele Menschen aus der Menge breiteten ihre Kleider als Teppich auf die Straße, andere rissen Zweige von den Bäumen und legten sie auf den Weg. Die Menschenmenge, die Jesus vorauslief und ihm folgte, rief immer wieder: »Gepriesen sei der Sohn Davids! Heil dem, der im Auftrag des Herrn kommt! Gepriesen sei Gott in der Höhe!« Als Jesus in Jerusalem einzog, geriet alles in große Aufregung. »Wer ist dieser Mann?«, fragten die Leute in der Stadt. Die Menge, die Jesus begleitete, rief: »Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa!«

Verkündigungsimpuls zu Matthäus 21, 1-11

eine*r in der Hausgemeinschaft liest

Es geht schon vor den Toren der Stadt los. Die Nachricht hatte sich schnell rumgesprochen unter den Jesus-Begeisterten und denjenigen, denen Jesus gleichgültig oder ein Dorn im Auge war.

Spannung liegt über dem Geschehen. Jesus selbst spürt sie auch. Für ihn persönlich wird es jetzt immer ernster, immer bedrohlicher.

Und die Erwartungen an ihn sind groß.

Besonders die schon länger mit ihm unterwegs sind, merken es.

Die Zukunft ihres Meisters und Bruders und auch die eigene hängt davon ab, wie Jesus in Jerusalem aufgenommen werden wird, ob er es schafft, die große Sehnsucht der Menschen nach einem neuen Leben zu stillen.

Und so drängen sich alle in die schnell zu enge Gasse, um nichts zu verpassen.

„Komm schnell, Hanna! Jesus ist in der Stadt! Komm, da vorne ist noch eine Ecke frei. Dort können wir näher ran!“, ruft Jakob zu seiner Frau.

Die beiden sind zufällig aufmerksam geworden, haben die „Hosianna!“-Rufe gehört. Blitzschnell hatte sich rumgesprochen, dass heute der berühmte Prediger und Heiler hier vorbeikommt.

Hanna lässt das unberührt: „Was soll das bringen, du Träumer! Dieser Jesus ist doch auch wieder bloß einer, der nur sich selber feiert. Ich habe schon genug gesehen von diesen Typen, die den Messias spielen. Und am Ende? Alles hohles Gerede, leere Versprechen!“

„Nein, Hanna, Du musst ihn auch mal gesehen haben! Wie ich damals am See Tiberias vor Jahren. Ich habe Dir doch erzählt davon, wie besonders das war. Er hat uns alle im Inneren getroffen, mit seiner Art, mit seinen Worten. Und jetzt kommt er hierher, zu uns! Das ist ein Zeichen des Himmels!“ „Geh´ Du allein, Jakob, ich habe noch genug zu tun. Was nützt mir Jesus, wenn wir heute Abend wieder vor leeren Tellern sitzen?!“

Jakob kann nicht anders, er läuft los und schafft es bis ganz nach vorne. Als er die beiden Esel sieht und den Mann auf dem kleineren, erkennt er ihn wieder. Er reißt sich den Umhang von der Schulter und legt ihn auf den staubigen Weg, mitten zwischen die Zweige von Palmen und die anderen Gewänder. Sein Herz schlägt schnell und eine unbestimmte, beglückende Zuversicht steigt in ihm auf: Diesmal ändert sich wirklich etwas, ganz bestimmt!

Bei Hanna siegt schließlich doch die Neugier. In sicherer Entfernung zwar, aber doch ganz genau beobachtet sie das wuselige Geschehen und zwischendrin ihren wie ausgewechselten Mann: „Ach, könnte ich doch mehr von Jakobs Begeisterungsfähigkeit haben, weniger zweifeln und mehr hoffen, dass sich Träume erfüllen!“

Jesus zieht ein nach Jerusalem, heute am Palmsonntag.

Wo stelle ich mich eigentlich hin bei diesem unübersichtlichen und aufregenden Geschehen, das kaum jemanden unberührt gelassen hatte damals?

Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich habe mehrere, wechselnde Standpunkte, mit denen ich auf diese Geschichte blicke.

Manchmal bin ich wie der ausgedachte Jakob. Dann lasse ich mich begeistern und mitreißen. Ich lege mein schützendes Gewand ab, werde durchlässiger für Gefühle und innere Strömungen, fühle den sogenannten „flow“. Dann wieder gerate ich ins Zweifeln. Meine durch Erfahrung perfektionierte Wahrscheinlichkeitsrechnung lässt der Zuversicht in mir wenig Raum. Und doch, ganz wie bei der erfundenen Hanna, bleibt da immer mindestens ein Funken Hoffnung in mir, dass Träume sich erfüllen können.

Ob nah dran oder weiter weg von mir, Jesus ist unterwegs nach Jerusalem. Er ist unterwegs zu uns, in unsere Herzen.

Er ist mit uns auf Schritt und Tritt.

Gott sei Dank!

Amen

Fürbitte und Vaterunser

(eine*r in der Hausgemeinschaft betet, oder alle beten gemeinsam)

Gott, unser himmlischer Vater, wir bitten dich, sei du das Licht auf unserem Lebensweg. Bewahre uns davor, dass wir dir heute noch zujubeln und dich morgen schon wieder vergessen haben.

Schenke besonders da Vertrauen auf dich, wo Lebenswege nicht gerade verlaufen und Menschen drohen zu verzweifeln.

Wir bitten für die Kranken unter uns um Genesung.

Für Trauernde bitten wir um Trost.

Für Verbitterte, dass du ihr Herz berührst und sie wieder fröhlich werden.

Schenke Bereitschaft zur Vergebung, wo Menschen sich verletzt haben.

Was uns persönlich auf dem Herzen liegt, sagen wir dir in der Stille .....

Wir beten zu dir mit Worten, die Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Abschluss

Gott sei bei dir Schritt für Schritt.
Er schenke dir Gelassenheit und Nachsicht, wenn du zurückblickst.
Gott sei mit dir Tag für Tag.
Er schenke dir Begeisterung und Ideen, wenn du nach vorne blickst.
Gott sei bei dir alle Zeit.
Er schenke dir Vertrauen und Zuversicht, wenn du nach oben schaust.
Es segne und behüte dich der dreieinige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen

Kerze löschen

Text: Michael Held und Andreas Hülsemann