Photo by Aaron Burden on Unsplash
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Karfreitag

Karfreitag 02.04.2021

Karfreitag
Foto: Dylan Mcleod/unsplash.com

GOTTESDIENST ZEITGLEICH

Der folgende Gottesdienst ist wie alle Gottesdienste Zeitgleich für eine kleine Hausgemeinde oder für alleine Feiernde gedacht, kann aber auch als Inspiration für einen Gemeindegottesdienst verwendet werden.

Noch ist die Pandemie sehr präsent. Viele Menschen können sich nicht vorstellen, einen „normalen“ oder „analogen“ Gottesdienst zu besuchen. Daher laden wir ein, auch das Abendmahl zu Hause zu feiern. In Notzeiten dürfen getaufte Christinnen und Christen es einsetzen bzw. sich gegenseitig Brot und Wein weitergeben. Für manche ist das Abendmahl am Gründonnerstag wichtiger, dann kann man diesen Gottesdienst auch getrost ohne das Sakrament feiern.

Vorbereitung

Bereite/bereitet den Tisch vor. Eine schlichte Tischdecke und ein Kreuz, etwas geschnittenes Brot und einige Becher bzw. Einzelkelche mit Traubensaft oder Wein.

Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung

Sagen:
Jetzt sind wir da.
Wir sind müde. Wir sind wach.
Uns fällt das Leben greade leicht und es fällt uns schwer.
Wir wissen viel, und wir wissen nichts. 
Sind beieinander und an verschiedenen Orten.
Und alle sind wir Menschen, die Gott brauchen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. 
Amen

Impuls: (wenn mehrere da sind, gern im Wechsel der Stimmen)

Heute ist Karfreitag. Der schwarze oder traurige Freitag.
Wir denken mit vielen Christen an Jesus und seinen Tod.
Wir gehen zu seinem Kreuz und betrachten es.
Was hat das alles für einen Sinn?
Warum musste Jesus sterben? Diese Frage hat schon viele bewegt.

Eine Antwort gibt Dietrich Bonhoeffer. Er dichtet ein dreistrophiges Lied:

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not.
Menschen gehen zu Gott in seiner Not.
Gott geht zu allen Menschen in der Not.

Bibeltext: Johannes 19,16-20.25-31; Übersetzung: Hoffnung für Alle

An Karfreitag hören wir die Geschichte der Passion Jesu, wie sie der Evangelist Johannes erzählt:

16 Da gab Pilatus nach und befahl, Jesus zu kreuzigen. 17 Sein Kreuz trug er selbst aus der Stadt hinaus zu dem Ort, der »Schädelstätte« genannt wird, auf Hebräisch »Golgatha«. 18 Dort nagelten sie ihn ans Kreuz. Mit ihm wurden noch zwei andere Männer gekreuzigt, der eine rechts und der andere links von ihm. Jesus hing in der Mitte. 19 Pilatus ließ ein Schild am Kreuz anbringen, auf dem die Worte standen: »Jesus aus Nazareth, der König der Juden«. 20 Die Stelle, an der Jesus gekreuzigt worden war, lag nahe bei der Stadt.

25 Bei dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und ihre Schwester, außerdem Maria, die Frau von Kleopas, und Maria aus Magdala. 26 Als Jesus nun seine Mutter sah und neben ihr den Jünger, den er sehr lieb hatte, sagte er zu ihr: »Das ist jetzt dein Sohn!« 27 Und zu dem Jünger sagte er: »Sie ist jetzt deine Mutter.« Von da an nahm der Jünger sie zu sich in sein Haus.

28 Jesus wusste, dass nun sein Auftrag erfüllt war. Doch die Vorhersage der Heiligen Schrift sollte voll und ganz in Erfüllung gehen, darum sagte er: »Ich habe Durst!« 29 In der Nähe stand ein Krug mit Essigwasser. Die Soldaten tauchten einen Schwamm hinein, steckten ihn auf einen langen (Ysop)-Stab und hielten Jesus den Schwamm an den Mund. 30 Nachdem Jesus ein wenig davon probiert hatte, rief er: »Es ist vollbracht!«

Dann ließ er den Kopf sinken und starb. 31 Das alles geschah am Tag vor dem Passahfest, das in diesem Jahr auf einen Sabbat fiel.

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich bekenne meinen Glauben gemeinsam mit allen Christen auf der Welt:

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

Verkündigung zu Jesaja 52,13-53,12

(nach der Übersetzung von Werner Grimm, Stuttgart 1990):

(gern im Wechsel der Stimmen)

Im Alten Testament, beim Propheten Jesaja im 53. Kapitel, wird von einem Menschen erzählt, der auch schwer gelitten hat. Knecht Gottes wird er genannt. Die ersten Christen haben in ihm den leidenden Jesus gesehen. Die Worte von Jesaja erinnern an eine Trauerliturgie, einen Nachruf in Gedichtform, wie man ihn bei einer Bestattung vorträgt:

Hören wir von der Geburt des Gottesknechtes:
Er schoss auf (vor Gott) wie ein Wurzelspross aus der Erde.
Und doch war er zuerst nur ein unscheinbarer Säugling.
Er hatte keine gute Figur und Schönheit, die wir gerne gesehen hätten.
Der Prophet redet von einem Kind.
Wir Christen können darin Jesus entdecken.
Schon in der Krippe, im Stall hat die dunkle Geschichte begonnen.
Weder Glanz noch Pomp. Kein „holder Knabe im lockigen Haar“.
Er ist der Sohn einfacher Leute.
Die Mutter und das Kind überleben bei der Geburt und die Familie auf der folgenden Flucht.
Gerade mal so.

Hören wir weiter vom Leiden des Gottesknechtes:
Verachtet und verlassen von Menschen war er.
Ein Mann der Schmerzen, vertraut mit Krankheit.
Wie einer, vor dem man sein Gesicht verbirgt und sich wegdreht.
Ja es ist wahr: Er war voller Schmerzen und Krankheit. Und schleppte sie fort.

Wir (Menschen) dachten: Gott hat ihn geplagt und geschlagen.
Aber er wurde wegen unseren Verbrechen durchbohrt.
Zerschlagen durch unsere Schuldenlast.
Die Strafe liegt auf ihm. Deshalb haben wir Frieden.
Durch seine Wunden sind wir geheilt.

Der Knecht Gottes hat schwer gelitten. Eine tödliche Krankheit musste er ertragen. Sein Körper voller Geschwüre. Die Menschen um ihn her sahen das. Sie dachten: Da leidet einer zurecht. Er hat etwas Böses getan. Er hat das sicher verdient und kriegt seine gerechte Strafe.  Gott ist zornig auf ihn. Er selbst will es so.

Das dachten manche auch, als Jesus am Kreuz hing. Ein Volksverhetzer. Einer, der gottlose Reden geschwungen hat und Menschen damit verführte. Deshalb haben sie Jesus den Prozess gemacht, ihn gefoltert, voll menschen-verachtender Gewalt. Aber sie lagen ganz falsch. Die Verurteilung war ein Justizirrtum und die Hinrichtung eine Gräueltat.

Auch heute sagen Menschen: Wer krank wird oder leidet, muss etwas Böses getan haben. Oder noch krasser: Corona ist eine Strafe Gottes. Sie haben genauso unrecht.

Kann Gott aus so einer Leidensgeschichte etwas Gutes machen? Aus Krankheit, Folter und Schmerzen eines gerechten Menschen Segen entstehen lassen?

Jesaja sagt: Ja. Gott kann das. Einfach war es nicht. Es war ein hoher Preis. Es kostete das Leben eines Menschen. Noch dazu eines unschuldigen. Aber Gott wollte so das Problem menschlicher Schuld und Schuldzuweisungen an seiner Wurzel anpacken und auslöschen. Der Gottesknecht litt im Auftrag Gottes, um eine zerrüttete Gemeinschaft zu versöhnen. Er sollte Frieden schaffen. Menschen in ihrer Seele heil machen, ja ihnen Heil bringen.

In der Pandemie gewinnt das Lied vom Gottesknecht einen tiefen Sinn:

Durch seine Wunden sind wir geheilt. Der Gottesknecht weiß, was Krankheit ist. Er hat sie am eigenen Leib erlitten. Aber eben doch mehr: Er hat Krankheit und Schmerzen fortgetragen. Was soll das heißen? Die Gemeinschaft der Glaubenden, die auf den Gottesknecht schaut, hat gespürt: Gott stellt sich an die Seite des Leidenden. Gott schaut auf ihn. Er trägt ihn und gibt auch uns dadurch Kraft. Gott nimmt ihm die Todesangst. Hilft zu überwinden. Und weckt so in uns neue Hoffnung.

Für uns heute gesprochen: Gott ist da, wo Menschen leiden. In den Kliniken und Altenheimen. Bei den Einsamen zuhause. Gott allein kann es ihnen schenken, dass sie Frieden finden und ruhig werden. Dem Leiden den Schrecken nehmen. Ruhe schaffen in den Herzen und Frieden in der Seele. 

Den „behinderten Gott“, nannte eine amerikanische Theologin Jesus am Kreuz. Sie selbst saß ihr Leben lang im Rollstuhl. Für sie war wichtig: Jesus, das war nicht nur der große Heiler, der Menschen gesund machte. Weil er selbst voller Schmerzen war, gedemütigt und gefoltert, deshalb war ist besonders glaubwürdig. Der Herr der Welt stirbt – scheinbar ohnmächtig. Er schaut noch nach der geliebten Mutter und dem Freund. In seiner Schwachheit ist er so mächtig, dass die Liebe ganz viel Raum bekommt. Da werden Schuld und Verfehlung ganz klein und göttliche Liebe ganz groß. 

Karfreitag zeigt: Gott steht bei einem auserwählten leidenden Menschen. Das verbindet das Lied vom Gottesknecht mit der Passionsgeschichte. Genau darin steht er auch bei uns, „er steht auf zur Seite der Armen, der Kleinen, vertraut mit der Ohnmacht, der liebende Gott.“

Hören wir weiter, was der Prophet vom Gottesknecht sagt, von seinem Sterben und seiner Erhöhung:

Wir irrten alle umher wie Schafe, jeder sah auf seinen Weg.
Aber der Herr warf unsere Sünde auf ihn.
Drangsaliert wurde er, beugte sich.
Den Mund hat er verschlossen wie ein Lämmlein, das zur Schlachtbank geführt wird.
Wie ein Mutterschaf, das geschoren wird von seinem Scherer.

Wenn nun sein Leben ein Opfer ist,
wird er Nachkommen haben und lange leben.
Und Gottes Plan wird durch ihn gelingen.
Nach der Mühsal seines Lebens darf er sich satt sehen am Licht.
Durch seine Erkenntnis schafft der Gerechte Heil.
Den Vielen zugute schleppt er die Schuldenlast fort.

Siehe meinem Knecht wird es gelingen.
Er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein.

Ich staune, wie bereits in der jüdischen Bibel eine Geschichte aufleuchtet, die für meinen Glauben so wichtig ist. Einer geht für alle. Einer stirbt für alle wie ein Lamm. Das Bild ist uralt. Es kommt in der Bibel immer wieder vor. Abraham bekomm einen Widder geschenkt und opfert ihn für seinen Sohn Isaak. Damit ist er außer Gefahr. Ein Priester legt die Sünde eines ganzen Volks auf ein Opfertier und jagt es in die Wüste. Ein Tier für alle. Bei Jesaja wird das noch gesteigert und ein Mensch mit dem Lamm verglichen. Mehr noch bei Jesus. Er stirbt in der Stunde, als im Tempel die Passalämmer geschlachtet werden. Er ist das Lamm, Gottes Lamm für die ganze Welt!

Auch heute sterben Menschen für andere. Oder besser: Sie setzen ihr Leben aufs Spiel für Andere. Ärztinnen und Pfleger werden in Corona-Zeiten selbst krank oder müssen gar sterben. Das Leiden des Gottesknechts und die Passion des Jesus von Nazareth haben Krankheit und Not nicht völlig aus der Welt geschafft. Noch müssen wir das erleben in dieser Welt. Wie ein Nachbeben vom Karfreitag. Wenige opfern sich, damit viele andere gerettet werden.

Und doch ist in all diesem letzter Trost. Der Gottesknecht geht ins Licht. Er wird erhöht und zu Gott erhoben.  Ein Osterfunke leuchtet auf. Er darf sich sattsehen am Licht, wird in der Sphäre Gottes die Ewigkeit verbringen. Gottes Heilsplan kommt in ihm zum Ziel. Als Christ höre ich:

Das Leiden von Jesus hat einen Sinn. Er lebte und starb für viele Andere. Gerade für die Kranken und die Schuldigen macht er sichtbar: Gott steht bei den Bedürftigen. Ist ganz unten, und darin ganz groß. Vergibt. Macht neu auch unter Schmerzen. Wer auf ihn schaut, wird leben.

Ja, schon viele Menschen haben es erfahren: Gott hält mit uns das Leiden aus. Er ist da beim Sterben. Und liebt bis zuletzt. Darum können wir befreit von seinem Tod und seiner Liebe singen.

Innehalten - Hinführung zum Abendmahl

Gott nahe sein. In der Krankheit und im Leiden.
Gott spüren. Mit den Fragen und den Brüchen meines Lebens.
Mitten in den Nöten dieser Welt.
So feiern wir Abendmahl am Todestag Jesu.

In der Stille sagen wir Gott, was uns das Herz beschwert und umtreibt

Stille

Wir vertrauen auf die Kraft der göttlichen Liebe.
Sie ist größer als unser Leid und mächtiger als unsere Schuld.
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab,
auf dass alle, die an ihn glauben,
nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Erinnern

Jetzt hören wir die Worte wieder neu, wie es damals war, am Abend, bevor Jesus in den Tod ging:

Vater unser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Wir beten:

Ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach,
aber sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund.
Komm Herr Jesu, sei du unser Gast,
segne uns und was du uns bescheret hast.

Gemeinsam essen wir das Brot und sprechen einander zu:

Christi Leib, für dich/für euch gegeben.

Gemeinsam trinken wir – jeder aus seinem Becher. Wir sprechen einander zu:

Christi Blut, für dich/für euch vergossen.

Danken und Bitten

Herr Jesus Christus!
Danke, dass wir deine Gäste sein durften.
Danke für deine Liebe und dein Leiden,
den Sieg über den Tod.
Wir haben davon gekostet.
Dich gespürt. Danke dafür.
Bitte verlass uns nicht in diesen Tagen.
Sei du bei den Menschen, die krank sind oder im Sterben liegen.
Gib denen Kraft, die zuhören und einfach da sind,
die helfen und pflegen.
Wir vertrauen auf dich.
Heute und immer. Amen

Segen

Hände öffnen, Handflächen nach oben,
Sagen:
Gott, segne uns/mich.
Gott, behüte uns/mich.
Lasse dein Angesicht leuchten über uns/mir.
Sei uns/mir gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns/mich.
Und gib uns/mir Frieden.
Amen.

Text: Jochen Arnold und Bettina Gilbert
Musik / Konzeption und Bereitstellung: Bettina Gilbert