Kreatives Atelier – Zur Sprache des Gebets mit Nora Gomringer
Wie klingt ein Gebet, das trägt? Wie lerne, übe, teile ich das? Das „kreative Gebetskämmerlein“ als Mund- und Handwerkstatt lädt dazu ein, die Sprache des Gebets neu zu entdecken, zu schärfen und mutig weiterzuentwickeln. Ausgehend von Praxiserfahrungen im liturgischen und persönlichen Kontext arbeiten wir an Gebeten, die geteilt werden können: poetisch, klar, kontextsensibel und wirksam.
Im Zentrum stehen das eigene Schreiben und Entwerfen, Weg um zur eigenen Gebetssprache kommen, mit Zeit zum Beten, zum Schreiben, zum Sprechen, zum Überarbeiten und wieder zum Wort kommen.
Teilnehmende entwickeln eigene Gebetstexte, erkunden unterschiedliche Arten des Betens und reflektieren den Zusammenhang von Gattungen, Haltungen und sprachlichen Gesten. Wir fragen nach Kriterien einer dem gottesdienstlichen Geschehen angemessenen Sprache, nach der Kraft kleiner gesetzter Worte, nach Poesie, Performanz und rhetorischer Präzision. Sprachmuster werden bewusst wahrgenommen, durchbrochen oder neu erkundet. Die Werkstatt verbindet Anleitung und eigenständige Arbeit mit Lektoratsphasen, Austausch und kollegialer Beratung. In einem wertschätzenden Rahmen werden persönliche Texte behutsam begleitet - gerade, weil, wie und wo sie öffentlich werden sollen.
Eine Schreibwerkstatt für alle, die Gebetssprache nicht nur verwenden, sondern gestalten wollen.
Nora Gomringer ist eine der profiliertesten deutschsprachigen Lyrikerinnen der Gegenwart. Als Autorin, Performerin und Literaturvermittlerin verbindet sie poetische Präzision mit sprachlicher Experimentierfreude und Bühnenpräsenz. Ihre Texte bewegen sich zwischen Lyrik, Spoken Word und Essay und zeichnen sich durch rhythmische Dichte, formale Klarheit und eine ausgeprägte Sensibilität für Klang, Geste und Wirkung von Sprache aus. Gomringer ist seit 2010 Direktorin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia, einer Einrichtung des Freistaats Bayern in Bamberg. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis (2015). In Workshops und Schreibwerkstätten arbeitet sie praxisnah, dialogisch und wertschätzend: Sprache wird als Handwerk verstanden, das durch genaues Hören, gemeinsames Lesen, Überarbeiten und performatives Erproben geschärft wird. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Frage, wie Sprache wirkt – im Raum, im Gegenüber, im Ritual. Kathrin Oxen ist evangelische Theologin, Coach, Pfarrerin der Gedächtniskirche in Berlin, Predigerin und eine der prägenden Stimmen für zeitgenössische Predigt- und Gottesdienstkultur im deutschsprachigen Raum. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage, wie Sprache im Gottesdienst heute tragfähig, ehrlich und wirksam sein kann. Oxen arbeitet liturgisch sensibel und zugleich sprachkritisch: Sie reflektiert theologische Traditionen, prüft ihre Sprachformen und entwickelt sie weiter – mit besonderem Augenmerk auf Gebet, Predigt und rituelle Sprache. Ihre Texte und Fortbildungen zeichnen sich durch Klarheit, geistliche Tiefe und eine hohe Aufmerksamkeit für Haltung, Adressierung und Kontext aus. Als Predigerin und Ausbilderin fördert sie eine Sprache, die nicht belehrt, sondern öffnet; die nicht überhöht, sondern Beziehung stiftet. Lars Hillebold ist evangelischer Theologe, Coach, Direktor des Michaeliskloster Hildesheim, Prediger und Berater für Gottesdienst- und Predigtentwicklung. Er steht für eine theologisch reflektierte, zugleich empirisch informierte und konsequent praxisbezogene Arbeit an gottesdienstlicher Kommunikation. Seine besondere Stärke liegt darin, Beobachtungen aus realen Gottesdiensten, kirchlicher Praxis und kirchensoziologischen Studien mit theologischer Grundlegung und Zukunftsfragen zu verbinden. Hillebold arbeitet an der Schnittstelle von Liturgie, Sprache und kirchlicher Organisation. Er fragt danach, wie Gottesdienste heute verstanden, erlebt und genutzt werden – und was das für Sprache, Formen und Haltungen bedeutet. Dabei setzt er auf Klarheit, Reduktion und bewusste Entscheidungen statt liturgischer Routinen. Sprache ist für ihn kein Beiwerk, sondern zentrales Handlungsgeschehen des Gottesdienstes. In Vorträgen und Workshops verbindet er analytische Schärfe mit aktivierenden Elementen und kollegialem Austausch. Sein Ansatz zielt darauf, die eigene Praxis wahrzunehmen, zu überprüfen und weiterzuentwickeln – realistisch, ermutigend und theologisch verantwortet.