Neue Weihnachtsnoten für Chöre und andere Besetzungen

Nachricht Michaeliskloster Hildesheim, 04. November 2026
Chorstile aus dem Popbereich und Nordeuropa boomen auch zur Weihnachtszeit

Vielfältige neue Noten sind in den letzten Jahren erschienen zum immer aktuellen Thema Weihnachten und Advent. Lassen Sie sich anregen von den Neuzugängen unserer Bibliothek und drei Rezensionen von neuen weihnachtlichen Chorwerken.

 

 

 

Rezensionen

Jan Wilke:
Wonderful Mystery
7 Christmas Carols Carols auf englische Gedichte des 15. und 16. Jahrhunderts
Für gemischten Chor SATB (SSA, TTBB) und Harfe oder Klavier
Helbling, 2022

Die Musik zu den sieben alten Poesien komponiert Jan Wilke komplett neu, lässt sich aber von alten Stilen zu einer aparten Klanglichkeit zwischen altenglisch, Orffs Carmina Burana und John Rutter inspirieren. Geschickt verbindet er die grundlegende strophische Struktur der Texte mit durchkomponierten Elementen, so dass die Stücke gleichzeitig klar auffassbar und schön gerundet sind. Neben überwiegend besinnlich-lyrischen Nummern stehen zwei lebhafte Vertonungen. 
Alle sieben Stücke sind für gemischten Chor und für dreistimmigen Oberstimmenchor mit Harfe oder Klavier erschienen. Darin gleichen sie dem bekannten Chorzyklus Ceremony of Carols von Benjamin Britten, der auch aus der gleichen alten Gedichtsammlung wie Jan Wilke geschöpft hat. Eine gemeinsame Aufführung der Werke ist denkbar. Einige von Wilkes Stücken sind auch für Männerchor (TTBB) erhältlich. Die Werke eines mittleren Schwierigkeitsgrads sind mir von zwei Kirchenmusikerinnen der Hannoverschen Landeskirche empfohlen worden.

Oliver Gies:
Weihnachtsklassier in neuen Arrangements
Für Frauen-Popchor (SSA) / für gemischten Chor (SAM)
Bosse, 2026

Oliver Gies, dem Meisterarrangeur der Hannoverschen Gruppe Maybebop, liegt Weihnachten offensichtlich besonders am Herzen. Seit Jahrzehnten greift er das Thema regelmäßig auf, ob mit amüsant-scharfzüngigen Beobachtungen unseres Umgangs mit dem Fest oder Arrangements der „einschlägigen“ Lieder selbst, ob in Konzerten mit seiner A capella-Gruppe oder in verschiedenen publizierten Arrangements. Seine druckfrisch erschienenen „Weihnachtsklassiker“ bieten ausschließlich traditionelle Weihnachtslieder. Auf zahlreiche Bitten von Chören legt er die Arrangements diesmal für drei statt vier Stimmen an. Dabei besitzen die auch technisch einfacher als manche früheren Stücke zu singenden Sätze die gleiche frische Qualität und Gleichberechtigung der Stimmen. 

Mårten Jansson:
Magnificat+
Neue Einlagesätze für J. S. Bachs Magnificat in D-Dur auf Texte von Charles Anthony Silvestri
Bärenreiter, 2026

Schon Bach selbst fügte für eine weihnachtliche Aufführung seines Magnificats vier Einlagesätze in sein Werk ein. Der Dirigent Tristan Meister und sein Jugendchor Hochtaunus haben nun jüngst den schwedischen Chorkomponisten Mårten Jansson damit beauftragt, vier neue Einlagesätze für Bachs Magnificat zu komponieren, die nun bei Bärenreiter veröffentlicht sind. Herausgekommen sind vier Stück in einer Kombination von Bezugnahme auf den Stil des originalen Stücks und eigener Prägung. Die englischen Texte von Silvestri folgen dem inhaltlichen Verlauf des Stücks, haben aber keinen Weihnachtsbezug, so dass das Gesamtwerk zu jeder Zeit aufgeführt werden. In den Sätzen A, B und C greift Jansson die Gesamtbesetzung des Magnificat auf und lässt jeweils zwei oder einen Solosopran mit Chor und Orchester interagieren; Satz D hingegen ist für Chor a cappella. Auch satztechnisch verbindet Jansson Elemente der Bach’schen Komposition mit seinem Stil. Die allesamt getragenen Sätze besitzen eine Gesamtdauer von etwa vierzehn Minuten und können auch alleinstehend aufgeführt werden.
Gern weisen wir auch auf eine weitere Ausgabe hin, die 2023 bei Breitkopf & Härtel erschien. Der Herausgeber David Erler transponiert hier die originalen Einlagesätze Bachs, die in Es-Dur stehen, nach D-Dur, der Tonart der bevorzugen Fassung von Bachs Magnificat (BWV 243.3) und bringt eine neue Rekonstruktion des vierten Einlagesatzes.