Angesichts glühender Hitze

Nachricht 07. August 2026

Schatten vor glühender Hitze

Gedenk- und Sorgenetzideen von Lars Hillebold

„Du bist der Schutz für den Schwachen gewesen, der Schutz für den Armen in seiner Not, eine Zuflucht vor Unwetter, ein Schatten vor glühender Hitze.“ (Jesaja 25)

Menschen beklagen in diesen Wochen Familienangehörige, Freundinnen, Kollegen, deren Körper der Hitze nicht standhalten konnten – und wir beklagen vielleicht auch eine Gesellschaft und Zeit, in der wir uns und unsere Nächsten nicht alle ausreichend schützen können.

Wir erleben – nicht nur angesichts der Zahlen von „Hitze und Übersterblichkeit“¹, sondern am eigenen Körper, wie wir je nach Wohnsituation, Arbeitsplatz, Stadtleben usw. Situationen
ausgesetzt sind und wo auch technische Hilfen wie Klimaanlagen an ihre Grenzen kommen. In diesen Situationen wird oft neu bewusst, was die Würde und Verletzbarkeit unserer Körper und Konstitution ausmacht, wie die Verantwortung für Alte, Kranke, Arme und Einsame zu unserer Gesellschaft dazugehört und wie die Frage nach schattiger, bepflanzter Stadtgestaltung ein langfristiges Projekt ist, welches nach der Hitzewelle nicht vergessen wird. Also gehört für mich auch Dank für alle weise Stadtplanenden dazu.

Als Kirche scheint mir wichtig, dass wir die stillen und gesellschaftlich wenig sichtbaren Todesfälle wahrnehmen und der Menschen gedenken; so wie wir im Vorfeld schon kühle Kirchen einladend öffnen und diakonisch Durstigen Wasser und Gefährdeten Schutz geben.

Hitzetod ist eine soziale Frage und Herausforderung christlichen Handelns: Nicht alle Menschen haben eine kühle Wohnung, einen Garten, gesundheitliche Unterstützung oder jemanden, der nach ihnen sieht.

Die Idee und Anregung ist bewusst diakonisch und liturgisch sichtbar zu machen:
In den Herausforderungen der Hitze helfen, nicht allein zu sein; der Trauer um konkrete Menschen Raum geben; die Wahrnehmung einer oft unsichtbaren Todesursache und die Verant-
wortung für die Lebenden gehören zusammen; eine Raum eröffnen, weitere Ideen zu sammeln.

 

1. Idee: Tag der stillen Schatten

Auf einem zentralen Ort werden leere Stühle in schattiger Anordnung aufgestellt. Jeder Stuhl steht für einen Menschen, der infolge großer Hitze gestorben ist. Wo Namen fehlen, bleiben die Stühle bewusst namenlos.
Dazu könnten bereitstehen:

• Wasserschalen oder Wasserkrüge
• vertrocknete und frische Pflanzen
• weiße Tücher als Zeichen der Hitze
• Sonnenschirme
• kurze biografische Texte statt abstrakter Zahlen

Menschen sterben manchmal still und scheinbar grundlos. Manche von ihnen einsam. Wir erinnern uns. Wir gedenken ihrer.

2. Für den nächsten Sommer, der kommt

Ein fester Termin zu Beginn oder am Ende des Sommers mit einem liturgischen Gedenken in einer Kirche, vor einem Pflegeheim oder auf einem aufgeheizten Stadtplatz stattfinden. Dabei könnte an die Verstorbenen des letzten Jahres gedacht werden, mit Stille, Psalmen, Aus-
gießen von Wasser, Fürbitte für gefährdete Menschen, Segen im Schatten. Daneben entsteht vielleicht ein Sorgenetzwerk für Menschen im Ort.
Biblische Texte z.B.:
− 1 Könige 19,4–8: Elia in Erschöpfung. Gerettet wird Elia nicht zuerst durch Worte, sondern durch Schatten, Berührung, Schlaf, Brot und Wasser.
− Jesaja 25,4–5: Gott als Zuflucht und Schatten vor der Glut.
− Matthäus 25,35: „Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben.“

3. Hitze-Sorgenetz - Kultur der Aufmerksamkeit

Der Sommerbesuchsdienst mit Telefonliste mit Namen und regelmäßigen Anrufen, erinnern an Trinken usw.

4. DenkMal: Schatten ist Segen (Baum der Erinnerung)

Ein dauerhaftes Zeichen, DenkMal, im öffentlichen Raum: ein Baum mit einer Gedenktafel, eine beschattete Bank, ein Trinkbrunnen, Kirche als ein kühlender „Segensort“ frühzeitig bewerben, öffnen usw.

5. Nacht der kühlen Orte

An heißen Sommerabenden öffnen Kirchen ihre kühlen Räume bewusst am Abend, feiern Spätgottesdienste. Es gibt Wasser, Ruheplätze, Musik, Beratung und eine schlichte Gedenkfeier. Pflegeeinrichtungen, Feuerwehr, Rettungsdienste, Wohnungslosenhilfe, Nachbarschaftsinitiativen und Kommune wirken mit. Die Kirche wird buchstäblich zum Schutzraum.
Einsame und gefährdete Menschen werden erreicht. Klimaschutz ist auch Schutz vor dem Klima. Insofern sind Leid und Verantwortung nah beieinander. Nächstenliebe weist m.E. nicht zuerst auf die Schuld usw., sondern hilft und aus der Hilfe erwächst ein Wandel.

6. Ein Gedenktext

Drangsal, Müh und Hitze
Menschen leiden in diesen Tagen,
schwitzen, atmen schwer,
die Hitze drückt dich nieder
Wir gedenken, deren Namen wir kennen,
und an die vielen, von denen niemand erzählt.
An Menschen in aufgeheizten Wohnungen,
in Pflegeheimen und Krankenhäusern,
bei der Arbeit und auf der Straße.
Wir beklagen ihren Tod. Wir beklagen, wo niemand helfen konnte,
wo wir nicht helfen konnten.
Wir beklagen übersehene Zeichen,
den fehlenden Schattenplatz
und das Wasser, das fehlt – bei uns und in der Welt.
Gott, sei ewiger Schatten und Quelle des Lebens.
Mache uns aufmerksam füreinander
und entschlossen, Leben zu schützen.

Kontakt

Lars Hillebold

Weitere Ideen …

Wir sammeln gerne auch Ihre Ideen und veröffentlichen sie ggf. auf unserer Materialseite.
info@michaeliskloster.de