Eine Hommage an Tiger und Ente


Ein Gottesdienstentwurf

Wie gut, dass du da bist

Eine Hommage an Tiger und Bär und an Janosch, der am 3.11.2026 verstarb

Janosch: Seine Geschichten öffnen Räume für Freundschaft, Sehnsucht und Fürsorge. Seine Bilder begleitete meine Kindheit. Ein signiertes Bild von Janosch, das meine Mutter uns anlässlich des ersten Geburtstags unserer Tochter geschenkt hat, ist seitdem Teil meines Arbeitszimmers Eine Biografie eines Künstlers, die wir in der kommenden Zeit vielleicht noch genauer beschreiben oder auf das Erscheinen seines autobiografischen Buches "Tagebuch eines frommen Ketzers“, das noch nicht verlegt wurde. Es klingt schon im Titel ein wenig an. Ob Janosch einen Gottesdienst zu seiner Person und seinem Werk gewollt hätte, bin ich mir unsicher. 

Seine scharfe Kritik an einer Religion, die Menschen Angst macht, soll gleich hier zu Beginn nicht verschwiegen werden. Seine Ablehnung gottesfürchtiger Religiosität, die Befürwortung familiärer Beziehungen, Freundschaft und die Frage nach dem Sinn des Lebens waren immer wieder Thema für ihn. Heinz Eckert, wie Janosch gebürtig hieß, gehörte dem Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung für die er kirchenkritische Cartoons zeichnete. Seine Kritik gegenüber der, vor allem durch seine Mutter, vermittelten bestimmten Sicht auf eine katholische Kirche und Theologie prägte ihn. Zugleich ließ er sich bemerkenswerterweise nicht auf ein Projekt der Bruno-Stiftung ein, mit dem „alle abrahamitischen Religionen“ auf die Schippe genommen werden sollten. 

"Janosch" wurde 1931 in Oberschlesien als Sohn des Hüttenarbeiters Johann Eckert und dessen Frau Hildegard Głodny in einer katholischen Familie geboren, wuchs bei seinen Großeltern in einem Bergarbeiterhaus auf, bis seine Eltern sich eine eigene Wohnung leisten konnten. Sein Vater sei Alkoholiker und gewalttätig gegenüber seiner Familie gewesen. Seine streng religiöse Mutter scheint ein Gottes- und Kirchenbild vermittelt zu haben, das Angst, bittere Angst erzeugt hat. Mit ca. 19 Jahren, zu Beginn der 1950er-Jahre lernte er in der Textilfachschule Krefeld bei Gerhard Kadow, einem Schüler von Paul Klee. Das Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München brach er ab und arbeitete fortan als freischaffender Künstler und Schriftsteller. Der Verleger Georg Lentz veröffentlichte 1960 sein erstes Werk Die Geschichte von Walek, dem Pferd. Sein erster Roman Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm erschien 1978. Janoschs Durchbruch erfolgte 1978 mit Oh wie schön ist Panama und 1980 mit Post für den Tiger. Für sein künstlerisches Schaffe erhielt er u.a. den Literaturpreis der Landeshauptstadt München (1975), den deutschen Jugendbuchpreis (1979) und das Bundesverdienstkreuz (1993). Seit 1980 lebte Janosch auf Teneriffa. Er starb am 3.11.2026 im Alter von 95 Jahren.  

Eine Hommage an Bär, Tiger und Ente

Ein kleiner Bär. Ein kleiner Tiger. Und eine Ente, die Räder hat und Streifen trägt. Viel braucht es offenbar nicht, damit eine Welt mit Bilder und Seiten entsteht, in denen Menschen wohnen und durch die sie blättern möchten. Janosch hat solche Welten gezeichnet. Er selbst hingegen kam aus keiner Bilderbuchwelt: Horst Eckert, 1931 in Oberschlesien geboren, kannte Gewalt, Armut und eine Religion, die einem Kind Angst machte. Nach dem Krieg führte sein Weg nach Niedersachsen, ins Ammerland bis später Teneriffa sein Lebensort wurde. In seinen Geschichten bekommen die feinen Nuancen einen Raum. Die vermeintlich Kleinen bekommen eine unverbrüchliche Heimat. Ihre Seite und Sicht kann niemand einfach löschen. Sie alle werden gesehen: Die Ängstlichen finden Gesellschaft. Wer krank wird, wird umsorgt. Wer Sehnsucht hat, kann aufbrechen. Vielleicht berühren mich diese Bilder deshalb so: Ihre Zärtlichkeit weiß etwas von der Härte des Lebens.

Ein Gottesdienst verdichtet gesellschaftliche und persönliche Fragen. Religion und ihre Kritik sind seit jeher Seiten eines Gottes(dienstes), in der Bibel, im Leben zwischen Glaubens- und Zweifelskizzen. Gottesdienst als Ringen Gottes mit uns und mit dem Gott, der sich unverfügbar und unzeichenbar in manchen Leben (un)deutlich abzeichnet. Mit jeder Schraffur  wird die Frageräume nicht kleiner, ob die Welt durch unseren Glauben bewohnbarer wird. Können Kinder im Raum der Kirche aufatmen oder bleibt die Angst? Was richten manche Menschen und Strukturen im Namen von Religion an. Wie gelingt es mit und nach gemalten Bildern im Alltag Farben, Skizzen und Geschichten zu leben, voll Sehnsucht, Fürsorge und Mut. Bücher – von Janosch allzumal – sind mehr als vergangene Zeichnungen. Tiger und Bär zeichnen sich weiter in die Zukunft ein.  

Eine Hommage an Tiger, Bär und Ente. Janosch; ein Dankeschön für einen Künstler, dessen Striche leicht aussehen, doch dessen Geschichten Gewicht haben. Für seinen gemalten Humor. Für seine Striche des Widerspruchs. Für die Farben der Freundschaft von Tiger und Bär. Es bleibt immer eine Seite frei für das Kind in mir, das manchmal noch immer darauf wartet, dass jemand kommt und sagt: Wie gut, dass du da bist.

Lars Hillebold

Lars Hillebold

Lars Hillebold

Vielleicht berühren mich diese Bilder deshalb so: Ihre Zärtlichkeit weiß etwas von der Härte des Lebens.

Lars Hillebold